vom Gehen und Bleiben

Simone Radzuweit

Vom Tod über das Leben lernen

23.01.2026 38 min Simone Radzuweit

Zusammenfassung & Show Notes

Die erste Folge meines Podcasts. Ich sitze im klangBezirk, Tonstudio meiner Wahl und werde von Andreas (meinem Mann) interviewt. Normalerweise wird hier kreativ am Filmsound gearbeitet - heute sprechen wir darüber, wie die Beschäftigung mit dem Tod den Blick auf das Leben verändert. Es geht um die Entwicklung von Haltung, um das Schöne in meinem Beruf als Trauerbegleiterin und wo es Verbindungen zwischen Musik und Trauer gibt.

Meine Website: https://www.radzuweit.de

Mail: simone@radzuweit.de

Transkript

Vom Gehen und Bleiben. Der Podcast über Verluste und Menschen, die mit ihnen weiter leben. Ich bin Simone. Herzlich willkommen zu meiner ersten Podcastfolge, in der ich mich vorstellen werde. Ich sitze hier im Klangbezirk. Das ist das Tonstudio meiner Wahl und mir gegenüber sitzt Andreas, der mich heute interviewen wird und der perfekte Mensch dafür ist, weil wir uns schon sehr lange kennen mittlerweile 30 Jahre und er wird mir Fragen stellen, was normalerweise meine Aufgabe in diesem Podcast ist und ich kann mich reinspüren in diese Position, wie es ist, auf dieser Seite zu sitzen und Fragen zu beantworten. Hallo Andreas. Hallo Simone. Ja, also herzlich willkommen in deinem Podcast. Danke. Dein Arbeitsalltag als Trauerbegleiterin und Heilbräckigerin für Psychotherapie sieht normalerweise ja ganz anders aus. Du bist in deiner Praxis und begleitest Menschen mit Verlusterfahrung. Heute bist du aber hier und nimmst deine erste Folge vom Gehen und Bleiben auf. Wie geht es dir damit? Ich bin ein bisschen aufgeregt. Ich finde es ganz ungewohnt hier auf dieser Seite zu sitzen und auch nicht genau zu wissen, was kommt. Ich musste mich in viele Themen rund um das Podcast reinarbeiten. Das war für mich totales Neuland und es ist nach wie vor an da ein oder anderen Stelle und es macht auch Spaß. Wie findest du deine Gäste oder anders gefragt, mit welchen Menschen möchtest du dich unterhalten? Was interessiert dich da? Naja, durch mein Werdegang und durch meine Arbeit im palliativen Bereich in der Trauerbegleitung habe ich inzwischen ein recht großes Netzwerk und viel mit Menschen zu tun, die auch in diesem Bereich arbeiten und natürlich auch mit Betroffenen. Diese Menschen lade ich ein, ihre Geschichte hier zu erzählen. Der Titel vom Gehen und Bleiben, was bedeutet der dir? Mir hat der Titel gefallen, weil er für mich beides beinhaltet, nämlich die Menschen, die gehen, vielleicht auch wirklich deutlich vor der Zeit gehen. Es beinhaltet auch so ein bisschen meine Arbeit von der Begleitung von sterbenen Menschen. Ja und dann gibt es ja die Menschen, die bleiben und zwar zum einen die trauernden Menschen und zum anderen die beruflich damit zu tun haben und auch jeden Tag wieder neu zu ihrer Arbeit zurückkehren und weitermachen. Und im Grunde beide Sichtweisen und Erfahrungen zu beleuchten ist mir wichtig. So ein Podcast macht ihr, wie du gerade magst, jede Menge Arbeit. Auch deutlich unerwartet viel. Allein Interviewpartner finden, thematische Vorbereitung. Irgendwann dann das Gespräch führen, also Aufnahme, Schnitt, Mischung mit Musik, Upload, Hosting, Transkripte machen, Folgenbeschreibung und Kapitel und und und. Was ist deine Idee? Warum machst du diesen Podcast? Was also was ist dein Ziel? Was möchtest du damit tun? Was möchtest du erreichen? Ja das ist eine gute und wichtige Frage, die sich jeder Mensch stellen sollte, der Podcast macht. Meine Idee dabei ist, diese Themen aus der Tabu-Ecke zu holen. In den Trauergesprächen bekomme ich oft mit, dass das Umfeld einen ganz entscheidenden Teil dazu beiträgt, ob Trauernde gut damit umgehen können mit ihrer Situation oder nicht. Oft fehlen Informationen und die Menschen um Trauernde herum sind unsicher. Was sollen wir tun? Was dürfen wir sagen? Was dürfen wir nicht sagen? Da finden auch viele Verletzungen statt und ich erhoffe mir durch den Podcast und durch die Gespräche, dass sich da ja was erweitert und dass ich was transportieren kann von dem Erleben von Trauernden, aber auch von Menschen, die da arbeiten und so auch Hemmungen abgebaut werden. Und im Grunde diese Themen auch in unserer Gesellschaft Platz finden. Also ganz praktisch für mich, was braucht ein Trauernder Freund von mir und was braucht er ganz sicher nicht? Z.B. Das könnte eine Frage sein. Aber es hängt natürlich auch sehr von meinem Gegenüber ab, was die Person erzählen möchte und da bin ich sehr bei der anderen Person. Ich stelle meine Fragen, aber was da kommt, ist ja dann nicht in meiner Hand. Du hast ja für den Podcast eine tolle Idee. Jeder Gast stellt im kommenden eine Frage, immer dem, der dann als Nächstes kommt. Was daran ist so reizvoll für dich? Ich wollte eine Verbindung schaffen zwischen den Menschen, die hier sind, auch wenn sie sich nicht kennen. Und bisher habe ich nur positive Erfahrungen damit gemacht, weil eine Neugierde entstanden ist für den Menschen, der danach kommt und interviewt wird. Ja, das war eigentlich der einzige Gedanke, den ich hatte. Eine Verbindung zwischen den Folgen schaffen und natürlich auch zwischen den Menschen, auch wenn sie sich nicht kennen und sich vielleicht dann später die Folge anhören, um zu hören, was hat die Person denn auf meine Frage geantwortet? Du bist heute palliativcare Kinderkranken-Schwester, Trauerbegleiterin, Heilpraktikerin für Psychotherapie. Die Schritte, die von der Kinderkranken-Schwester dahin geführt haben, sind ja nun nicht wenige. Kram das alles überraschend oder gab das Momente für dich in deinem Werdegang, wo du gesagt hast, das ist jetzt zwangsläufig, das ist logischerweise der nächste Schritt? Also mein Weg hätte auch ganz anders sein können. Ich habe nur gemerkt, als ich meine erste Stelle als Kinderkranken-Schwester hatte, war ich in einem Bereich tätig, wo die Kinder nur sehr kurz auf der Station waren und ich hatte gar nicht die Möglichkeit überhaupt eine Beziehung aufzubauen. Es waren dann viel drum herum Arbeit, eigentlich Pflege war kaum möglich und da habe ich gemerkt, das ist nicht das, was ich machen möchte und das entspricht auch nicht meinen Stärken. Ja und so bin ich dann über die ambulante Kinderkrankenpflege auch ins Kinderhospiz gekommen und habe da genau das Gegenteil erfahren, Zeit zu haben, zu pflegen, Beziehungen aufzubauen. Natürlich die auch wieder loslassen zu müssen, das ging aber dann, also das war möglich und das war es wert diese Beziehungen auch aufzubauen. Ich habe nicht von Anfang an gewusst, dass es der palliative Bereich ist oder wird, indem ich mal arbeiten werde, genauso wie ich dann nicht geahnt habe, dass ich aus der Pflege raus eher in die Trauerbegleitung gehe und jetzt halt vollzeit selbstständig in eigener Praxis arbeite. Das war schon eine Entwicklung auf jeden Fall, die ja jetzt finde ich auch nicht so ganz fern ist vom palliativen Bereich in die Trauerbegleitung zu gehen und ja für mich war es schlüssig und eine gute Entscheidung. Du hast in diesen verschiedenen Weiterentwicklungsschritten ja immer auch viel gelernt, die Weiterbildung zur Trauerbegleiterin gemacht, Seelsorge etc. Da musstest du viel lesen und viel dir auch an Wissen aneignen. Gibt es etwas, was du da gelernt hast in der Pflege über das Leben, was in diesen Büchern eigentlich nicht steht? Also obwohl es in Büchern steht, würde ich mal behaupten, ist für mich das Hauptding eigentlich die Haltung und die kann ich nicht theoretisch lernen, sondern nur durch Erfahrung und durch die tägliche Arbeit mir auch ein Stück weiter erarbeiten. Ich kann viel Überhaltung lesen, nur ich kann sie ja nicht künstlich erzeugen oder das würde relativ schnell aufliegen und deswegen ist für mich eigentlich neben diesen ganzen Ausbildungen, die ich gemacht habe um Handwerkszeug zu haben in Bezug auf Gesprächsführung oder ja andere Dinge, alles was man rund um die Themen sterben, Tod und Trauer so theoretisch lernen kann, ist für mich das Wichtigste, wie ist meine innere Haltung den Menschen gegenüber mit denen ich arbeite, also der trauernden Person oder im Kinderhospiz dem Kind, was vielleicht nicht die Möglichkeit hat, mit Worten zu kommunizieren, sondern das anders macht mit Gesten oder mit Handbewegungen und ich lerne dieses Kind zu lesen oder bemühe mich Bedürfnisse zu erkennen und ich spreche mit dem Kind auch wenn es mit mir auf diese Art nicht sprechen kann und das macht ganz viel mit meiner Haltung diesem Menschen gegenüber und das war mir immer wichtig oder auch den Eltern gegenüber, die mit Sorgen auch da sind und diese Sorgen führen vielleicht auch zu nah ungeduld oder ja, sage ich mal zu nah nicht politisch korrekt eine Ausdrucksweise und dass ich aber das dahinter erkenne die Bedürfnisse und die Gefühlslage und darauf auch eingehen kann, das war mir immer wichtig, das hat Achtung dem Menschen gegenüber gegeben, ob es die Kinder waren oder auch die Erwachsenen ja oder auch jetzt eben in der Trauerbegleitung, da ist es auch nichts anderes. Menschen in Trauer sind oft nicht ganz bei sich selbst und sie da wieder hin zu bringen, zu sich selbst, dass sie auch selbst wirksam werden und wieder wissen was tut mir gut, was tut mir nicht gut, wer bin ich eigentlich jetzt? Es ist so ein Einschnitt im Leben, ja das braucht manchmal externe Hilfe um sich wieder neu zu sortieren und das Leben ist kein bisschen mehr wie vorher, alles wird auf den Kopf gestellt und es macht vor keiner Ecke Halt und da begleiten zu dürfen, das finde ich eine großartige Aufgabe. Ganz viel Haltung schwingt in deiner Antwort ja mit aus dem was du gerade beschrieben hast, kann ich spüren wie deine Haltung gegenüber den Patienten, Familien und so weiter ist, ist es möglich dafür Worte zu finden, also wie soll man sowas in einem Lehrbuch schreiben, ist es möglich, dass du dafür Worte findest wie ist deine Haltung? Wahrscheinlich müsste man jetzt eher, ich habe gerade immer mein erster Gedanke war, wahrscheinlich müsste man eher die Trauerenden selbst fragen, was kommt wirklich rüber von dem, was in mir ist. Wenn ich jetzt aber zum Beispiel Schülerinnen oder Schüler im Kinderhospiz hatte, die ich mitgenommen habe, dann ging es mir erstmal auch um diese Bewusstheit überhaupt, also wenn zum Beispiel Eltern ungeduldig waren oder gereizt, dann auch darauf aufmerksam zu machen, warum das so ist und dass das vielleicht auch erst mal nichts mit mir persönlich zu tun hat oder so, sondern einfach mit dieser absoluten Ausnahmesituation, in der sie gerade sind. Ich glaube dieses Bewusstmachen in was für einer Situation ist die andere Person und gleichzeitig nicht vorauszusetzen, ich weiß es, sondern neugierig zu bleiben und im besten Sinne neugierig zu bleiben und zu fragen, das ist mir wichtig und das spiegelt vielleicht so ein bisschen auch meine meine Haltung, aber du hast schon recht Worte dafür zu finden, finde ich gerade auch nicht einfach. Für mich hört sich das ja nach einfach nach einem unglaublichen Privileg an, dass du so dicht an Menschen in so einer Ausnahmesituation bist, wo eben alle Masken fallen und wo man den Menschen ganz ganz ganz nah kommt und ganz ganz nah ist, was sich gar nicht vermeiden lässt und das macht ja auch etwas mit dir. Das Schicksal der Menschen, der Familien, der Trauernden ist ja etwas wo eine ganz große Nähe ja auch dann da ist. Wie gelingt es dir von diesen Themen dann auch wieder Abstand zu halten für dich persönlich oder wieder wieder zu dir zurückzukommen, wenn du so dicht an diesen Menschen dran warst? Also erst mal empfinde ich es auch als was ganz Besonderes überhaupt so nah in Lebensgeschichten auch einzutauchen, weil das was ich höre und mitbekomme, dass erzählen viele ja noch nicht mal ihren Freunden oder nur sehr ausgewählten Freunden und ja es ist auch schon sehr intim. Also ich finde sterben ist intim und auch Trauer, das sind so tiefe Gefühle und ja dass ich da begleiten darf empfinde ich schon wirklich als was ganz besonderes. Ich habe für mich festgestellt es gibt nur eine bestimmte Anzahl an Gesprächen, die ich am Tag durchführen kann um präsent zu sein. Also das heißt ich kann nicht vom morgens bis abends Gespräche führen und die haben alle die gleiche gute Qualität, sondern da brauche ich entsprechend Pausen und muss gut für mich sorgen. Ich gehe laufen, das hilft mir total, ich bin in der Natur, ich nehme mir freie Tage und das brauche ich auch je nach Intensität der Gespräche ist. Das sind ja auch nicht alle Gespräche gleich intensiv. Also dass ich für mich selber sorge ist auf jeden Fall nicht nicht was was irgendwie schön ist oder so, sondern es ist notwendig, damit ich weiter gute Arbeit machen kann. Und dann natürlich auch immer wieder in die Distanz zu gehen. In dem Gespräch bin ich präsent und dann gehe ich aber auch bewusst wieder raus, weil es ist nicht mein Schicksal. Das Leben hat für mich andere Themen bereit, mit denen ich klar kommen muss, aber dieses ist eben nicht mein Thema. Es ist mein Thema für eine Stunde, aber auch in einer ganz anderen Rolle. Und das hilft mir schon, mir das immer wieder bewusst zu machen, auch durch kleine Gesten. Also zum Beispiel mache ich bei einem Gespräch mit trauernden Kerzen an und die pust ich dann auch wieder aus und das ist für mich auch schon eine Symbolik von das Gespräch fängt an und das Gespräch wird auf. Das kann für andere ganz unbedeutsam sein, für mich ist es bedeutsam, weil es so ja ist begrenzt. So als ein Beispiel. Und natürlich passiert es auch, dass ich merke, so jetzt war ich drüber. Jetzt habe ich diese Grenzen, meine eigenen Grenzen nicht beachtet. Ich gehe ja aber auch als ganzer Mensch rein. Deswegen habe ich manchmal ein Problem mit diesem Begriff professioneller Haltung. Das ist eigentlich meine Haltung zum Leben, die ich da mitbringe. Und ich finde es nicht schlimm, wenn ich selber auch berührt bin oder ich mich berühren lasse. Ich finde es menschlich. Gab es Begegnungen mit Sterbenden oder Angehörigen, die dich bis heute begleiten oder beschäftigen? Also es gab auf jeden Fall Situationen, die mich nachhaltig beschäftigt haben. Besonders das erste Kind, was ich begleitet habe, was verstorben ist, das werde ich einfach nicht vergessen. Weil das einfach eine ganz besondere Situation war, in die ich auch reingesteupert bin. Da war ich im Grunde noch nicht mehr wirklich dafür ausgebildet und sehr jung. Und ja, mir fehlte wirklich die Erfahrung und im Nachhinein denke ich, oh Mann, mit dem Wissen von heute hätte ich das an der einen oder anderen Stelle wirklich noch besser gestalten können. Ich habe es halt so gut gemacht mit allem, was ich zu dem Zeitpunkt zur Verfügung hatte. Und gleichzeitig habe ich da schon gespürt, dass es was, was ich machen möchte. Das habe ich ja dann auch im Kinderhospiz und im Kinderpalliativteam, also gemeinsame Zeit, waren es elf Jahre, dass ich in dem Bereich tätig war. Und in der Trauerbegleitung kommt das natürlich auch vor, was ich halt immer wieder merke, ist, also ich arbeite ja im Verein für Trauern der Eltern und Kinder in Mainz und im Kinderhospiz war es genauso. Immer dann, wenn es um Kinder geht, die im Alter meiner eigenen Kinder sind und die Themen sich so ähneln, dann merke ich schon manchmal, dass mir die Distanz schwerer fällt, dass ich dann mich innerlich nochmal mehr abgrenzen muss und dass es dann manchmal eine Gradwanderung zwischen der Abgrenzung und der Präsenz. Ja, das empfinde ich dann als herausfordernd, aber inzwischen klappt das ganz gut. Also ich musste da meinen Weg finden, ganz klar, und das glaube ich ist auch normal, dass nicht ab Tag 1 schon super hinzukriegen und auf der einen oder anderen Seite vom Pferd zu fallen. Na gut, ich glaube, das gehört ja zu jedem beruflichen Werdegang dazu, dass man seine Erfahrung sammelt, dass man auch ins kalte Wasser geschmissen wird und auch in verschiedenen Situationen ist, wo man dann merkt, ah, das ist wirklich mein Ding, das ist meine Stärke, hier möchte ich weitermachen und hier möchte ich weitergehen. Und so nehme ich das wahr, was du erzählst, wie du es erlebt hast, wie du dazu gekommen bist, heute ein Podcast zu machen. Kleiner persönlicher Einschub. Ich selber habe ja viel mitbekommen von deinen Themen, bin dabei sozusagen dein Beifahrer. Und für mich war es auch eine ganz eigene Erfahrung, das mitzuerleben. Wir bieten hier den Kurs Musik und Trauer an im Tonstudio und jetzt kann ich über die Wirkung von Musik aller Hand erzählen, kann Übungen vorbereiten, gemeinsame Singen anleiten, ein bisschen erklären, was passiert in den beiden verschiedenen Gehirnhälften dabei. Aber für mich war das letzte Mal, als wir diesen Kurs gemacht haben, das erste Mal, dass ich mit trauernden Eltern zu tun hatte und in solch einem Setting saß und ich war nervös. Und deine Haltung, deine Ruhe im Umgang, deine, wie ich finde, deine klugen Fragen und Gedanken, mit denen du durch diesen Nachmittag geführt hast, das war für mich ein guter Anker. Und dann war das wirklich auch eine super Zusammenarbeit, die lange im Gedächtnis geblieben ist, weil ich da eben zum ersten Mal wirklich in Kontakt kam mit Eltern, die ein Kind verloren hatten. Und ich habe wirklich echt Respekt gehabt vor diesem Nachmittag und war hinterher auch wirklich sehr beeindruckt von dem, was an diesem Nachmittag passiert ist. Ein Beispiel, ein Vater hat erzählt, er hat früher im Chor gesungen und nach dem Tod seines Kindes nicht mehr gesungen. Das war ihm dann nicht mehr möglich und hat dann nach Musik und Trauer, der gesagt, weil wir da so ein paar Übungen gemacht haben und vorsichtig versucht haben, was passiert bei Musik, hat er gesagt, ich will mir wieder ein Chor suchen. Ich will das wieder probieren, mich in die Gemeinschaft andere Menschen begeben, mit denen ich gemeinsam singe. Das ist für mich heute auch noch beeindruckend immer wieder, wenn ich daran denke und ich denke daran. Das ist mir wirklich im Gedächtnis geblieben. Das berührt und mit Musik ist es ja so, dass es Trauerende gibt, die sagen, mir hilft Musik. Mir hilft Musik auch, in eine bestimmte Stimmung zu kommen, also entweder, dass die Stimmung aufgehält wird oder aber auch bewusst traurige Musik zu hören, um zu weinen. Und dadurch, dass Musik halt direkt wirkt, gibt es auch ganz viele Menschen, ganz viele Trauerende, die sagen, ich kann gar keine Musik hören. Das geht gar nicht. Ich höre kein Radio, ich habe früher immer Radio gehört. Das war das erste, was ich gemacht habe, bin ich aufgestanden bin und das geht heute nicht. Und zwar entweder, weil sie halt sagen, ich kann dieses Geduld und auch dieses oberflächliche Gerede nicht mehr hören oder aber die Gefahr ist, Musik zu hören, mit der man was verbindet, mit der sie was verbinden oder die vielleicht auch in der Bestattung gespielt worden ist oder so. Und Musik als Ausdrucksweise auch für die Trauer zu entdecken, das ist ja im Grunde das Ziel des Seminars. Und es ist schön, dass auch hier im Tonstudio machen zu können und auch diese Möglichkeit zu haben, immer dann, wenn es natürlich auch passt. Ja, also für die einzelne Person, das muss natürlich jeder für sich selber prüfen, ob das schon dran ist oder eben nicht. Dein jetziges berufliches Thema ist ja nicht partytalklich. Viele weichen diesem Thema aus. Ich mag das selber bei mir, also wenn ich darüber sprechen soll, das ist nicht leicht, da muss ich echt Anlauf nehmen für. Viele sprechen ungern darüber, sei es über den eigenen Tod, sei es im Umgang mit Verlust oder im Umgang mit Freunden, Nachbarn, die einen Verlust zu verarbeiten haben, die jemanden verloren haben. Warum ist das dein Thema? Ich glaube, ins Kinderhospiz bin ich vor allem über diese Beziehungsarbeit gekommen, also über dieses Ich kann Familien und ja die Kinder über lange Zeit begleiten und eine Beziehung aufbauen. Da bin ich glaube ich schon auch mit einer gewissen Nervität vielleicht auch angegangen oder Offenheit, gemeinsam zu leben und den Alltag zu gestalten im Kinderhospiz und den Tod nicht auszuklammern. Das war von Anfang an was, was mich an der Arbeit fasziniert hat, dass das geht, dass trotzdem ganz viel Leben ist im Kinderhospiz und dann ging es für mich in sofern weiter, dass ich gemerkt habe, dass das Umfeld häufig anfängt die Menschen zu meiden, die in so einer Situation sind und das habe ich als ungerecht empfunden. Also das ist wirklich an meinen Gerechtigkeitssinn irgendwie, hat das so angedockt und ich habe gedacht, das kann noch nicht sein, dass wenn Menschen sowas erleben müssen und wir können es nicht abwenden mit unseren medizinischen Möglichkeiten, dann braucht es doch eine liebevolle gute Begleitung und zwar in der Zeit und auch in der Zeit danach, also in der Trauer. Mir ist es selber schwer gefallen oder es war ein Schritt noch mal im Kinderhospiz, kann man noch sehr viel machen auch in Richtung Gestaltung des Tages, letzte Wünsche erfüllen, es schön machen, es bunt machen, irgendwie so, ja es ist sehr viel Gestaltungsspielraum da, das ist in der Trauer nur bedingt möglich, natürlich gibt es so Angebote wie jetzt eben Musik und Trauer oder kreative Angebote, es ist aber auch ganz viel nur Dasein, also nur in Anführungsstrichen, Dasein und Aushalten und nicht weggehen, sich eben nicht entziehen, ist schon auch eine große Aufgabe als Trauerbegleiterin, ja und das habe ich irgendwann erkannt und fand es wichtig und dann hat es mich nicht mehr losgelassen. Wie hat sich dein Blick auf den Tod über die letzten Jahre verändert? Es hat sich insofern verändert, dass überhaupt ja auch in mir eine ganz intensive Auseinandersetzung stattgefunden hat. Dies ja bevor ich in diesen Bereichen gearbeitet habe, die gab es hier auch nicht und dass ich immer mehr für mich entwickelt habe, was finde ich für mich wichtig, also in meiner Vorstellung, wenn ich sterbe oder was finde ich wichtig in der Begleitung von Trauernden, Blick auf den Tod. Also ich kann glaube ich jetzt nicht sagen, ob ich mehr oder weniger Angst habe davor, einen gewissen Respekt vor dem Sterben habe ich schon, also jetzt finde ich an mich selber denke, die Begegnungen mit Trauernden oder auch mit dem Tod an sich, also das heißt sterbende Menschen auch zu begleiten, da habe ich keine Angst vor, also vor der Begegnung, dass das nicht. Es ist immer noch nach wie vor was Besonderes, das hat sich auch nie verändert. Eigentlich finde ich sogar fast vergleichbar wie eine Geburt, nur in die andere Richtung, also natürlich mit einem viel traurigeren Anlass, aber auch dass der zu gestalten ist, also das Sterben zu gestalten ist, also jetzt rede ich natürlich von sowas wie Kinderhospiz oder so wenn man schon weiß, dass jemand sterben wird, das gilt natürlich nicht für den plötzlichen Tod. Also ich würde sagen, es hat sich schon was verändert und die Veränderung liegt vor allem in der Auseinandersetzung und ich glaube, das ist schon wirklich auch viel. Also ich weiß, was ich mir für mich vorstelle, was mir wichtig ist, sofern das in meiner Hand liegt, ja, ich weiß, dass ganz viel sozusagen nichts in meiner Hand liegt, wenn es um ein plötzliches Ereignis geht und es gibt mir halt im Grunde die Chance heute in mehr Bewusstheit zu leben und das, denke ich, ist der viel entscheidendere Unterschied. Es ist glaube ich, ja, jetzt habe ich es, es ist gar nicht die Veränderung so sehr mit Blick auf den Tod, sondern viel mehr mit dem Blick auf das Leben. Nämlich, wie lebe ich denn heute in dem Wissen, dass es zu Ende sein kann jederzeit und das kann sehr bedrückend sein, das kann aber auch sehr motivierend sein und sehr richtungsweisend. Also ich glaube, ich frage mich, wahrscheinlich häufiger als der Durchschnitt bin ich noch auf dem richtigen Weg im Sinne von, ist das hier so mein Platz und ist das das, was ich leben möchte und wenn das nicht so ist, dann korrigiere ich das und das kennst du ja zu genüge, dass ich das dann auch tue. Das stimmt. Es wäre jetzt auch meine nächste Frage gewesen. Was macht es denn mit deinem Leben, deiner andere Haltung zum Thema Tod? Die hast du jetzt schon etwas beantwortet? Ja, ich würde sagen, ich bin schon dem Leben, stehe dem Leben positiv gegenüber, ich genieße also ich bin ein Genussmensch. Ich kann die schönen Sachen im Leben sehen und kann aber auch mit der Traurigkeit von Menschen mitgehen, auch mit meiner eigenen Traurigkeit und das dann auch zuzulassen. Mir ist oft bewusst, was ich habe und dass das viel ist und dass ich reich beschenkt bin mit vielen in meinem Leben. Wenn jetzt jemand zuhört, der selber gerade trauert, was würdest du dieser Person gerne sagen, die du ja auch gar nicht kennst, die jetzt nicht gegenüber sitzt, aber vielleicht wie so ein eigentlich doch wie ein Zuhörer hier mit bei uns am Tisch sitzt. Naja als erstes würde ich sagen, achte gut auf dich, wenn du diesen Podcast hörst oder auch weiter hören möchtest, ob es dir gut tut, dich so intensiv mit diesen Themen zu beschäftigen oder ob du deine Kraft für was anderes brauchst gerade im Moment. Das ist mir ganz wichtig, weil es gibt Zeiten im Leben, da braucht man besonders als trauernder Mensch nicht unbedingt noch die Themen rund um Sterbentut und Trauer noch zusätzlich obendrauf zu dem eigenen erleben. Also dann auch wirklich zu schauen, hör ich diesen Podcast mit jemandem zusammen oder ist es vielleicht auch gut hingegangen, ich erst zu hören. Das war jetzt ganz bezogen auf diesen Podcast. Jetzt habe ich die Frage vergessen. Wenn jemand zuhört, der gerade trauert, was würdest du dieser Person gerne sagen? Naja also ich halte nicht so viel von hier sind die zehn besten Tipps für trauerende Menschen. Sonst würdest du ja auch ein Kalender rausbringen? Ja genau, also weil ich der festen Überzeugung bin, dass wirklich jeder Mensch anders trauert und auf was anderes braucht, auch wenn es ähnliche Themen gibt und dafür gibt es ja auch so was wie Trauergruppen, wo ein Austausch möglich ist und auch eine Verbundenheit gespürt wird und das ist wichtig und hilfreich und gleichzeitig finde ich es ganz schwierig, wenn so allgemein Aussagen getroffen werden, denn aus meiner Erfahrung treffen selbst die, ja weiß ich nicht, also treffen ganz viele Dinge da einfach nicht zu. Weil die Menschen haben ein sehr unterschiedliches Leben geführt und Trauer fällt nicht auf ein weißes Blatt, sondern auf ein Vorleben, auf Vorerfahrungen, auf Bewältigung Strategien und die sind immer sehr sehr unterschiedlich und wie viel Zeit das dauert, wie sich der Schmerz verändert, wie sich was wann anfühlt ist höchst individuell und in meinen Gruppen, die ich leite sage ich immer, wenn von euch jetzt acht Leute sagen, das ist grün und einer sagt, das ist rot, dann möchte ich die eine Person hören, die sagt, es ist rot, weil vielleicht ist das für die anderen eine Inspiration. So Simone, wir kommen zum Ende deiner ersten Podcastfolge. Ja. Wir unterhalten uns ja öfter mal über dein Thema, aber auch das Gespräch heute empfand ich für mich wieder als inspirierend, als bereichernd, ganz besonders für das Nachdenken über den Tod, der vor allem dann Auswirkungen auf meine Haltung zum Leben hat, weil das das große Feld aufmacht, dass ich mir auch Gedanken mache, weil es jetzt nicht beteiligt, nicht betroffener. Mich erinnert das an den Spruch aus der Bibel, den ich kenne, Herr leere uns Bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden und das erlebe ich bei dir, dass ich ganz viel auch in vielen Alltagsfragen ja Marke das Beschäftigen mit dem Tod bringt Klugheit fürs Leben mit sich. Jetzt schiebe ich dir mal wieder die Rolle der Gastgeberin rüber. Gibt es etwas, was du zum Schluss des Podcasts jetzt noch sagen möchtest? Ja, eigentlich gar nicht so viel. Ich spreche nur die Einladung aus an alle, die zuhören. Wenn ihr Fragen habt oder Anregungen, Ideen, dann schreibt mir gerne. Ich nehme das dann mit auf und auch wenn es Wünsche gibt eben für Themen, dann höre ich mir das gerne an und schau, was da sich umsetzen lässt. Ja und ich freue mich auf die nächsten Folgen. Die nächste ist mit der Barbara Ludwig, die 26 Jahre als Redakteurin beim ZDF gearbeitet hat und nun Trauerrednerin ist. Und ja, wir können sie ein Stück weit begleiten auf ihrer Reise. Ja und wenn dich das Thema interessiert hat und es dich berührt hat, dann hör gerne rein und leite gerne dem Podcast weiter an jemanden, der es brauchen könnte. Danke Simone, schön, dass du da warst. Vielen Dank, Andreas.

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