Vom Journalismus zur Trauerrednerin mit Barbara Ludewig
23.01.2026 52 min
Zusammenfassung & Show Notes
Ich spreche mit Barbara Ludewig, ehemalige Redakteurin beim ZDF. Sie lässt uns teilhaben an ihrer Reise vom Journalismus zur Trauerrednerin. Sie erzählt uns von Wertschätzung und Würde in ihrer Arbeit, diskutiert die Rolle von Intuition und Mitgefühl und beschreibt, wie die Auseinandersetzung mit Verlusten und Ängsten zu einer neuen Lebensrichtung führen kann. Barbara spricht über ihre Herangehensweise bei Trauergesprächen, die Selbstfürsorge nach emotionalen Situationen.Sie berichtet auch von ihren Erfahrungen mit Trauerbegleitung in der Natur und wie sie durch Achtsamkeitsübungen und Sinneswahrnehmung zu innerer Ruhe findet.
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Mail: simone@radzuweit.de
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Transkript
Vom Gehen und Bleiben.
Der Podcast über Verluste und
Menschen, die mit ihnen weiter leben.
Ich bin Simone.
Ich spreche mit Barbara Ludewig.
26 Jahre hat sie als Redakteurin
und Reporterin beim ZDF gearbeitet.
Heute begleitet sie als Trauerrednerin
Menschen, um Erinnerungen
sichtbar zu machen.
Gemeinsam tauchen wir in ihre Reise ein.
Herzlich Willkommen Barbara.
Ja,
was war der Moment, in dem
du gespürt hast,
ich möchte Menschen durch den
Abschied begleiten?
Ich glaube, da gibt es ehrlicherweise
gar nicht so den Moment,
sondern ganz, ganz, ganz, ganz
viel Suchbewegung.
Ja, ich war ja jahrelang Journalistin und
das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht.
Und das ist ja auch eine sehr
erfüllende und ja auch vordernde
Tätigkeit.
Und trotzdem hatte ich immer den
Eindruck, da gibt es noch was.
Und habe gesucht und habe gesucht und
ging mir auch tierisch auf
den Keks damit, immer wieder zu suchen
und noch eine Ausbildung zu
machen und noch eine Ausbildung
zu machen.
Und ich würde fast sagen, ich bin wie
so ein, wie so ein, ja, ich
bin, ich bin wie gefühlt mit einer
Wünschelroute bin ich durch
mein Leben und da hat es mal ausgeschlagen,
da war nicht so.
Und dann bin ich letztendlich an den
Punkt gekommen, dass mich mal
jemand fragte, könntest
du dir vorstellen,
unsere Mutter beizusetzen.
Und das war für mich ein, ich würde
fast sagen, wie so ein
Erweckungserlebnis.
Und da hineingehören alle Panikattacken
und schlaflosen Nächte.
Und da sieht du dir ja nur irgendwie
vorstellen kannst.
Und das war deine erste Beisetzung,
die du dann hattest, gestaltet hast?
Das war die erste Beisetzung, die
ich gestaltet habe und parallel dazu,
das war genau genommen nach
einem Sabatia im ZDF.
Das für mich ganz wesentlich war 2018,
weil ich in diesem Jahr
entgegen der Vorstellung meiner Kollegen
und ja hauptsächlich
Kollegen, die dann sagten,
hey, machst du jetzt
eine Weltreise, wofür ist
du denn überlegen?
Und ich dachte ja, es wird wirklich eine
Weltreise für mich, aber eine Reise
in meine innere Welt.
Und zwar habe ich dieses Jahr meinen
Ängsten gewidmet.
Also ich bin überall dahin,
wo ich, dass es so eines meiner
Lieblingsbuchtitel und
Lieblingsbücher ist, von
Pima, Schöttern,
geh an die Orte, die du fürchtest.
Und diesem Jahr 2018 bin ich an alle Orte
gegangen, die ich zu der Zeit
gefürchtet habe.
Und dazu gehört auch eine Seelsorgeausbildung,
die wir beide
miteinander machen durften, haben
wir uns ja kennengelernt.
Und dazu brauchte ich dann auch einen
Praktikumsplatz und habe dann
in dem Jahr angefangen, demenziell
veränderte Menschen am Lebensende
zu begleiten.
Und das Jahr hat mich wirklich, boah,
das hat mich wirklich
erfüllt in einer Sinnhaftigkeit, wie
ich das nie für möglich
gehalten hätte.
Und ich glaube, wenn ich im Vorhinein
manchmal dachte, boah, nicht
vielleicht doch lieber eine Weltreise, im
Nachhinein hätte ich es mit nichts
eintauschen wollen.
Und dann kam ich zurück ins ZDF und
dann rief mich irgendwann auch
mein Bruder an, relativ parallel zu
diesem Ereignis, könnten sie
sich vorstellen, unsere Mutter
beizusetzen und fragte,
mein bester Freund ist gestorben.
Er hat furchtbar geweint natürlich.
Und jetzt bekomme bitte keinen
Schreck, könntest du dir
vorstellen, weil seine Frau hat sich das
gewünscht, dass du die Trauerfeier
gestaltest.
Und das war ganz, ganz parallel.
Und so absurd, dass vielleicht kling
mag, als ich hörte, dass der
beste Freund meines Bruders gestorben
war, habe ich mir in dem
Moment gewünscht, dass ich die
Trauerfeier gestalten kann.
Und dann fragte er mich genau das.
Ja.
Und als dann so verschiedene Dinge
in meinem Leben ganz konträr
gelaufen sind, auch beispielsweise dies
zurückkommen mit ZDF, habe
ich mich gefragt, wer bin
ich denn eigentlich?
Wo geht's denn lang?
Und irgendwann drang das so in mir
durch, also wie so eine
Klarheit, die plötzlich zum Greifen
vor mir lag, dass ich dachte,
Mann,
das ist vielleicht das vermessenste,
was ich je gedacht habe, aber
ich glaube, ich bin Trauerrednerin.
Klingt wie so ein inneres Wissen.
Dass ich aber auch erst in dem Moment
richtig greifen konnte.
Ja, du hast absolut recht.
Das war wie ein absolutes inneres
Wissen und bewusst sein.
Ich war es plötzlich, ohne
das vorher auch
als Sehnsucht so benannt
haben zu können.
Absurd.
Und hattest du dann auch
mal Zweifel, ob du
dem Tod so nah sein willst
in deinem Beruf?
Ich komm's ja, weiß ich nicht, ein
Sekunde, weil der Tod hatte
sehr lange in meinem Leben keinen Raum.
Aber als er den Raum bekam, da war das
wie das fehlende, ich würde
noch nicht mal sagen, Puzzlestück,
sondern ich würde das
vielleicht am ehesten vergleichen,
wie eine Medaille, die zwei Seiten hat.
Und ich habe den Eindruck, ich habe
die andere Seite gefunden.
Und dadurch ist für mich so vieles ganz
geworden, ich habe so vieles verstanden
durch den Tod.
Und dank des Todes und natürlich
auch vieler
Ereignisse, die ich gerne so
nicht gehabt hätte.
Das ist mal gar keine Frage.
Aber nun waren sie mal da.
Und ich habe sie überlebt
und ich bin dadurch.
Und ich habe den Eindruck, dadurch
konnte ich begreifen und
wirklich den Tod als wichtige Fasette
des Lebens verstehen.
Und dann hatte der für mich so eine
große Faszination, dass ich
irgendwann auch ein bisschen
nervig wurde in den
Redaktionskonferenzen, weil ich immer
irgendein dem Vorschlag
hatte, der dann doch wieder irgendwie
mit dem Tod zu tun hatte.
Und damals sehr häufig und bestimmt
auch berechtigterweise der
Einwand natürlich auch kam der
totesten Abschalter.
Also die Leute, die abends am Abendbrot
sitzen und wieso schauen,
ich war damals Redakteurin bei WISU,
die wollen jetzt nicht
unbedingt den Tod auf den Abendbrot
geschehen bekommen.
Und ich glaube aber, da hat sich viel
verändert, weil als ich dann
über den Tod berichten, durfte er
in einem ganz großen Umfang,
das war so am Ende meiner journalistischen
Tätigkeit,
da ist das Thema richtig gut gelaufen.
Da ging es um den assistierten Suizid,
der damals verhandelt wurde.
Und da sollte ich quasi ein Abschlussbericht
machen und daraus in
ganz, ganz viele Teile und sogar
noch nur Doku entstanden,
die so gut gelaufen sind, also nachgefragt
wurden, weil ich glaube,
dass der Tod auch gesellschaftlich
ein anderes Standing bekommen hat.
Aber vielleicht auch allein, ja, für
mich ein anderes Standing bekommen hat.
Ja und trotzdem bist du dann
noch ein Schritt
weitergegangen und hast sich
verabschiedet vom ZDF.
Und ja,
nicht nur thematisch dich verändert,
sondern auch in deiner Art zu arbeiten.
Du bist heute selbstständig tätig.
Also du hast ja auch ein Stück weit
Sicherheit aufgegeben und es
war ein Abschied nach so vielen Jahren.
Wie war das für dich?
Also wenn du die Frage so stellst, mit
diesem Mitgefühl, dann berührt
das was in mir.
Ich habe eigentlich immer, ich habe
mir seit lang fast so wie
servif vom ZDF gewohnt und dann habe
ich gedacht, ja, ich bin ganz
dankbar, aber es ist auch alles gut so.
Aber das hatte schon auch
viel mit mir zu tun
und ich könnte was sagen,
da war ich wer, ja.
Ich musste gar nicht unbedingt sagen,
was ich im ZDF gemacht habe.
Es reichte das, was ich was im ZDF
gemacht habe und ich war wer.
Also ich war gesellschaftlich schon
auch, ja, hatte ich ein
gewisses Standing allein dank
meines Arbeitgebers.
Und das war ja auch, oder ist
es auch immer noch
öffentlich-rechtlicher Rundfunk,
ist ein fantastischer Arbeitgeber.
Und die Visitenkarten zu haben.
Irgendwo anrufen zu dürfen zu sagen,
ja, Barbara Ludebich, ZDF in
Mainz, ich habe da mal eine Frage.
Das hat so ein anderes Gewicht als,
ja, hallo, ich bin Trauer Rednerin
und möchte mich, ja, ich
möchte mich Ihnen gerne als Sie, Ihnen
als Bestattungsinstitut,
möchte ich mich gerne vorstellen.
Meine Güte nochmal.
Und zu erleben, dass diese Entscheidung
auch bedeutet hat, dass die
Leute am Anfang, also viele
Unternehmer, Bestattungsunternehmer
gesagt haben,
Trauer Rednerin gibt's, gibt's
wie Sand am Meer.
Und auf Sie haben wir jetzt
gerade nicht gewartet.
Ja.
Das war heftig.
Und trotzdem dran zu bleiben, mit allen
wenn und aber und zu sagen,
doch das ist genau das, was du tun
möchtest und da gibt's
natürlich wieder, da gibt's natürlich
wieder Wege, da musst du dran bleiben.
Ja, und dieser Mutter geht
kein Weg dran vorbei.
Da musst du dran bleiben.
Ich erlebe es ja häufig so, dass
Gesellschaft immer noch ein
Stück weit sprachlos ist bei diesen
Themen, Thema Tod, Sterben.
Wie kommst du denn zu deinen Worten?
Also aus dem, also das, was mir eigentlich
auf der Zunge liegt zu
sagen, das spucke ich jetzt einfach
mal so aus, auch wenn ich mich
dann immer mal noch so frage, wer
bin ich eigentlich, also von
dieser Journalistin dahin kommt zu sagen,
das entsteht in mir,
das kommt aus mir raus.
Also natürlich muss ich manchmal auch
um Worte ringen, um genau
das so formulieren zu können, wie es
sich für mich als Stimmig anfühlt.
Aber es ist quasi wie so eine Blaupause
in mir angelegt.
Und ich höre nicht vorher auf,
bevor das genauso auch
niedergeschrieben ist, weil ich schreibe
die Trauerreden nieder und
dann habe ich auch die Möglichkeiten,
sie natürlich den Menschen
im Nachhinein nochmal geben zu können,
weil ich weiß, dass man in
der Trauer doch schon auch sehr, wie
soll ich das sagen, im Ausnahmezustand
ist.
Und dann unter Umständen auch so eine
Trauerfeier vielleicht nicht
mehr als im besten Sinne, sie irgendwie
überleben kann, je
nachdem, welche Wertigkeit auch so ein
Verstorbener oder eine Verstorbener
hatte.
Und dann ist es, glaube ich, für mich
so wichtig, wenn ich erlebt,
dass auch immer wieder das Leute sagen,
boah, jetzt, das tut mir so
gut oder ich kann zum Jahrestag mal
ein Flächchen Bein aufmachen
und dann kann ich die Rede nochmal lesen.
Und da würde ich sagen, dass das auch
dann noch stimmig ist, dass
das auch dann noch passt, dass es
wirklich ein, manchmal auch ein
Ringen, aber in den meisten Fällen kommt
das doch ziemlich aus mir
raus, aufgrund der Gespräche,
die ich dann
natürlich auch mit den Hinterbliebenen
geführt habe.
Und kannst du sagen, was den Hinterbliebenen
wichtig ist, was
wollen die ausdrücken oder ist das
individuell sehr verschieden?
Also, was ich meine ist,
geht es mehr darum
zu zeigen, wer war der verstorbene
Mensch?
Oder geht es mehr darum, dass
es ganz positiv ist?
Geht es um Erinnerungen?
Ist es jedes Mal unterschiedlich
oder siehst du da was,
was eigentlich bei allen so ein
bisschen ähnlich ist?
Also, die Frage stelle ich mir ganz
häufig selbst und frage mich
wirklich, was ist das denn genau?
Ich will jetzt nicht sagen, dass ich
zauberhaft arbeite, aber ich
habe oftmals den Eindruck, dass da,
ja, wie sonst zauber entsteht,
dass es ein bisschen zu hoch gehängt.
Ich will es mal so sagen,
ich erlebe so häufig, dass Leute sagen
und da geht es nicht darum,
mich zu loben, sondern ich
glaube, dass es so,
das Ureigene dieser Tätigkeit
in der Lage zu sein,
einen Menschen schon auch wieder
erkennbar abzubilden.
Und das heißt jetzt auch nicht
ausschließlich Positives
aufzugreifen, sondern ich glaube, dass
das nur auch ein Stück weit
heilsam erfahren werden kann, wenn
der Mensch in seiner
Persönlichkeit und auch Originalität
wiedererkennbar wird.
Also, wenn man wirklich sagen kann,
das hatte ich relativ zu Anfang da,
die Rede zu Ende, dann drehte sich
dann die Frau, Ehefrau des
Verstorbenen zu ihrem Enkel um und
sagte, und war das der Opa?
Und der Enkel sagte, ja, das war er.
Also, und ich glaube, das ist so
die Aufgabe, die damit verbunden ist.
Und ich habe den Eindruck mittlerweile,
dass das wie, wie wenn man
sich so ein Stück Stoff
vorstellt und ich
häufig hör von Hinterblieben,
die sagen,
gerade wenn es jemand war, mit dem
man einen sehr guten Kontakt
hatte, den man sehr, sehr mochte, dann
möchte man den natürlich
nicht verlieren.
Und da ist die größte Angst, sich
einer Person nicht mehr zu
erinnern, also, dass jemand
vergessen wird.
Und da habe ich den Eindruck,
es ist wie so ein
Stück Stoff, ich habe solche
Servietten zu Hause,
da lösen sich die äußeren Ränder,
die lösen sich auf jedes Mal, wenn
da so ein Faden verloren geht.
Und ich habe den Eindruck, meine Aufgabe
ist es, dieses Stück
Stoff zu fassen und das in einer Form
zu tun, was natürlich auch,
da habe ich natürlich auch
Zeiten einzuhalten.
Und ich habe auch einzuhalten, dass
dieser Mensch, wie ich schon
gesagt habe, auch wiedererkannt werden
kann, aber vor allem,
dass dadurch alles auch ein bisschen
fassbarer wird.
Und ich glaube, wenn das dann gelingt
und dann passiert das, was
ich immer finde, was das größte Loop
ist, was dann eben aber auch
am Ende gesagt werden kann, und es heißt
nicht, dass jemand immer ein
Loop aussprechen muss.
Aber wenn es ausgesprochen wird,
dann ist zu sagen, also, dieses
Darf man, ich
weiß gar nicht, ob man sagen
darf, heißt das dann,
manchmal, dass es zwar traurig,
aber schön in einem war.
Und das finde ich aber, dann denke
ich, ja, ja, das hat gepasst.
Dann ist es gelungen.
Dann ist es gelungen.
Und ich glaube, dann ist es für mich
ganz, dann ist es so ein
bisschen, ich weiß jetzt nicht überpontieren,
aber dann ist es
heil, also ganz heil, heilsam, das
geht so in diese Richtung.
Das geht so in diese Richtung.
Zumindest für diesen Moment, ja, zumindest
für diesen Moment dazu
beigetragen zu haben, etwas, was ein
Schier nicht zu fassen ist,
ein Stück weit fassbarer gestaltet
haben zu können.
Es klingt für mich auch sehr beschreibend,
ohne Bewertung.
Also einen Menschen zu beschreiben,
ohne direkt zu sagen,
war entweder ungeduldig,
das kann ich ja so oder so sagen,
das kann ich ganz charmant darstellen.
Und alle erinnern sich und haben
vielleicht eine kleine Anekdote im Kopf.
Ich kann es auch ganz gemein sagen.
Ja, und es ist schon eine Kunst da,
die richtigen Worte zu finden,
weil es ja auch ein schmaler Grad ist.
Absolut.
Ja, absolut.
Also es ist vor allem dann
ein schmaler Grad,
weil ich bekomme jetzt nicht nur
Aufträge von Menschen, die die
verstorbene Person wirklich über
alles geliebt haben.
Es gibt ja, also ich kam einmal in einen
Trauertisch und da hieß
es nur, damit Sie es gleich wissen, über
unseren Vater gibt es nichts
Gutes zu sagen.
Und auch das will ja gefasst werden.
Und dann hörst du mitunter ja auch
Begebenheiten, wo du denkst, oh
du meine Güte, wie schwer, wie
furchtbar, wie heftig, puh.
Und dabei auch da wieder einen Schritt
zurückzutreten und zu
sagen, ja du beschreibst es auf eine Art
und Weise, dass das auch
sein Raum findet.
Und das aber beispielsweise auch Kinder,
die erzählen, dass sie
von ihrer Mutter ständig Wendelweich
geschlagen wurden.
Und wir sind da auf dem Dorf und das
weiß vielleicht auch wirklich jeder.
Und trotz all dem eine Form
zu finden, dass die
Kinder ganz genau wissen, das
hat stattgefunden.
Es ist wie so eine Zeugenschaft, dazu
stehen zu sagen, ja, das
hat stattgefunden.
Aber meistens verabrede ich dann mit
denjenigen, dass ich dann auch
nicht mehr, nicht weniger sage,
als das war schwer.
Und dann sage ich, dass wenn das für sie
in Ordnung ist, würde ich
es dabei belassen.
Und dann wissen sie einfach, das ist
so ein Stück wie vorhanden,
es wird nicht außen vorgelassen,
um der Mutter gut zu tun,
sozusagen haben wir über die
Klinge zu hüpfen.
Weil wir sind ja auch Leidtragende.
Und gleichsam darf die Mutter aber
auch ihr Gesicht behalten.
Und das ist, glaube ich, also
wertschätzend und würdig
tätig zu sein.
Das ist die absolute Maßgabe da.
Je, ich kann schon fast sagen, fast
gänzlichst egal, wie jemand
gelebt hat, das muss immer die
Überschrift sein.
Da geht kein Weg dran vorbei.
Ja, ja.
Welche Rolle spielt Intuition?
Boah.
Darf ich fragen, weshalb du
mir die Frage stellst?
Weil du ja sehr viele Fähigkeiten
von deinem
Beruf mitbringst, journalistische
Fähigkeiten.
Du weißt, wie man gute Texte schreibt.
Ist erklärt für mich aber nicht voll
umfänglich, warum du gute Trauer
reden schreibst.
Also ich würde sagen,
ein Gespür zu haben, das begleitet
mich von klein auf.
Ich war da vor einer Woche einen Vortrag
in einem Stadtteil treff.
Und da habe ich den Unterschied
auch zwischen
Mitgefühl und Mitleid beschrieben
für mich.
Und dann sagte jemand, der das saß im
Publikum, der war Mediziner,
und der hatte gesagt, also wenn ich
jemanden mitzuteilen habe,
dass er Krebs hat,
dann möchte ich natürlich erst recht
kein Mitleid, aber mir steht
es auch nicht zu, Mitgefühl zu tätigen.
Das hat er nicht zu suchen.
Der Mensch hat doch eh schon alle
Schwierigkeiten, jetzt damit irgendwie
zurechtzukommen.
Aber ein Gefühl hat er nicht zu suchen.
Der braucht mich auf der allerfunktionabelsten
Verstandesebene.
Und alles andere hat bitte
außen vorzuleiben.
Interessant, fand ich total interessant,
das so zu sehen.
Und da war ein Freund von mir,
der ist Kinderarzt.
Er ist schon ganz, ganz lange Kinderarzt.
Er ist schon lang längst pensioniert
und er geht trotzdem noch in
ein Krankenhaus, also in das MKM, und
schaut sich da die Frühchen
an und schaut sich und guckt, weil er
einfach so ein diagnostisches
Verständnis hat, ein so tolles
diagnostisches Verständnis.
Schaut der sich die Frühchen aber
auch die Säuglinge an und
guckt, ob er da vielleicht irgendetwas
erkennen kann, was
vielleicht früh genug erkannt werden
muss, um entgegensteuern zu können.
Und der sagte,
wenn ich doch eine Nachricht
zu überbringen habe,
dann kann ich das eigentlich
nur mit Mitgefühl tun.
Ich habe gar keine andere Option.
Und ich würde sagen, das geht bei mir
auch nicht anders, weil ich genauso tick.
Ich spüre sehr viel.
Ich habe von klein auf immer ganz viel
gespürt, nämlich immer gewundert,
was das ist.
Und mich gibt es einfach nicht ohne.
Und zwar will ich das jetzt gar nicht
hochhängen im Sinne von, ich
bin so besonders toll, sondern ich will
nur einfach sagen, ich nehme viel wahr.
Und dieses Wahrnehmen, das war auch
manchmal in meinem Leben gar
nicht so einfach, auch so
viel wahrzunehmen.
Ich kann schon fast sagen, es hat mich
manchmal auch in Teufels
Küche gebracht, weil ich das vielleicht
ausgesprochen oder irgendwas
wahrgenommen habe.
Ich selbst damit gar nicht
zurechtkam, was ich da alles
wahrgenommen habe.
Und mittlerweile ist das da am besten
Ort, den ich mir nur vorstellen kann.
Und dann mag das sein, dass die Kinder
sagen, sie können ruhig
sagen das, pünktchen, pünktchen,
pünktchen.
Und irgendwie kann es dir
gar nicht sagen.
Ich habe verrückterweise, wenn ich
dann den Dreh bekomme und ich
habe eine Formulierung gefunden,
die wirklich stimmig ist.
Und das ist eine Gratwanderung unter
Umständen zwischen der
verstorbenen Person und deren
Hinterbliebenen.
Und wenn es aber dann passt, und dann
habe ich innerlich so ein
wohlinges Gefühl, ich habe
manchmal gewöhnt,
das ist genau so und fühlt
sich liebe an.
Es ist gefasst und es ist
gerecht geworden.
Und mich da aber einen großen Schritt
wieder rauszunehmen zu
sagen, es hat mit mir schon auch was
zu tun, aber nichts, was ich
tue, sondern dann bin ich eher wie
ein Gefäß, in das beides gelegt ist.
Und daraus darf ich in aller Sorgfalt
so ein Text ziehen.
Punktfetsch aus.
Ja, was würdest du denn sagen, ist
das Schöne an deinem Beruf?
Weil mir geht es manchmal so, wenn
ich auf Leute treffe, die ich
noch nicht kenne, und die mich fragen,
was ich beruflich mache.
Also ich glaube, einmal habe ich gesagt,
ich unterrichte Lach,
Yoga, weil ich es nicht sagen wollte und
eigentlich schon weiß, was für
Reaktionen kommen.
Also im Grunde oft auch der
Party-Crasher bin, oder mich
zumindest so fühle.
Und dabei würde ich doch auch sagen,
es ist so viel schön auch an dem Beruf.
Was gefällt dir?
Was ist schön?
Darf ich noch was vorher zurückfragen?
Mit was warst du denn mehr
der Party-Crasher als
Kindergangsschwester im Kinder-Speed?
Oder als Trauerbegleiterin?
Mit Schwerpunkt.
Ich glaube, da gab es keinen richtigen
Unterschied bei mir, würde ich sagen.
Also klar, Kinderhospiz war
auf jeden Fall,
auch wenn es nochmal den Fokus
auf Kinder hat.
Und trotzdem ist beides halt mit
dem Thema Tod zu tun.
Und das passt in manche
Situationen scheinbar überhaupt
nicht rein.
Ja, ich glaube genau das.
Weil die Frage würde ich jetzt sagen,
beleuchtet für mich schon
wieder, auf der einen Seite Party-Crasher
zu sein und auf der
anderen Seite so erfüllt, täglich
sein zu dürfen, sind so, also
im Grunde genommen, die zwei Seiten einer
Medaille wirklich voll und ganz
leben zu dürfen.
Und das heißt beispielsweise auch
bei einem Trauergespräch.
Und das kennst du ja mit Sicherheit,
genau vielleicht jetzt nicht
unbedingt an der Party darüber lachen zu
können, weil das erlebe ich
in der Tat auch.
Da ist erst mal wirklich absolute Stille.
Aber an einem Trauer Tisch, also
während eines Gesprächs zu erleben,
das und das ist dann wirklich ein Mitschwingeln
dürfen, dass alles
möglich ist, also wirklich auch die
allerschlimmste Betroffenheit.
Also unter Umständen wirklich
auch gerade
aktuell der Sohn gestorben,
mit paar 20 Jahren.
Und trotz all dem, eine Erinnerung
hochgekommen zu sein, über die
man wirklich sowas von lachen kann.
Und dann wird gelacht und im gleichen
Moment dreht sich das Ganze
und da werden aus den Lachen Tränen
und unter Umständen tut sich
es wieder in die andere Richtung.
Und das finde ich so faszinierend.
Ich habe das Gefühl, dass da
das Leben sich in seiner
ungeschminktalten, seiner wahrsten
und behaftigsten Form zeigt.
Und zwar so reichhaltig.
Und da ist es meine Aufgabe, würde
ich mal sagen, also ich kann
das dann nur feiern, wenn
er so stattfindet.
Und gleichsam ist es meine Aufgabe,
mich da wirklich gut
zurückzunehmen und alles sein
zu lassen, so wie es ist.
Im Grunde trittst du ja auch für
einen Moment in eine Familiengeschichte.
In das Leben von Menschen, wo du
normalerweise überhaupt keinen
Einblick hättest.
Das kennst du sehr gut.
Wie trittst du ein und wie trittst
du wieder aus?
Hast du da Rituale für dich entwickelt?
Was du stellst, wirklich fantastische
Fragen.
Also auch wirklich aus der
Intuition heraus.
Die teilen wir ja auch, diese große
Intuition, dieses Spüren,
genau hinspüren.
Und ich glaube, das ist so die, da
würde ich sagen, das ist
wahrscheinlich auch wieder die Antwort
auf deine Frage, die ich
auch ein bisschen ritualisiert
habe für mich.
Also mittlerweile habe ich natürlich
schon auch ähnliche
Reaktionsmöglichkeiten, wenn ich
mit Menschen spreche.
Und dann spüre ich aber das sofort schon
allein beim Reagieren auf
mein Namen oder meine Tätigkeit, wie
jemand damit umgehen kann
oder vielleicht nicht umgehen möchte.
Und da kann ich mich auch recht
schnell anpassen.
Also das passt dann relativ schnell.
Und dann mache ich einen großen Schritt
in die Familie rein.
Ganz großen Schritt.
Und bin selbst immer wieder erstaunt.
Also ich habe so das Gefühl, als werde
ich da in so einen Familienraum
eingelassen.
Und da gibt es auch irgendwie
komischerweise
In den allerseltensten Fällen, mal
Momente, wo ich das Gefühl
habe, ah, da werden jetzt nicht
alle Türen geöffnet.
In den meisten Fällen werden
sie geöffnet.
Das muss auch nicht sein.
Also es muss definitiv nicht so,
aber meistens tut sich es von selbst.
Und danach ist es für mich aber auch
ganz wichtig, dass ich diesen
Raum wieder verlass, um auch die Trauer
dort lassen zu können.
Weil das ist für mich auch so der
Unterschied zwischen mit Gefühl.
Ich kann da wirklich gut,
mitführend sein.
Und eben mit Leid.
Also würde ich diesen Raum nicht
wieder verlassen.
Dann würde ein Stück von mir
in dem Raum bleiben.
Dann wäre das ein Stück meiner Familie.
Ist es aber nicht.
Sondern ich begleite sie in dem Moment.
Und danach mache ich einen großen
Schritt raus und ritualisiert.
Heißt das für mich, wenn mich Menschen
eigentlich fast immer
fragen, kommen sie danach mit
so ein Trauercafé.
Dann sage ich, das ist ganz lieb.
Das weiß ich sehr zu schätzen.
Aber ich mache so einen großen
Schritt rein.
Und danach darf ich den Schritt
auch wieder rausmachen.
Es ist Ihre Familie.
Und ich möchte Ihnen den
Raum auch lassen.
Das ist wichtig.
Und das heißt für mich,
dass ich dann bei der Feier, wenn wir
so weit sind, dass ich dann,
weil ich ja die gesamte Zeremonie
auch mitbegleite,
wenn ich fertig bin und zu der,
der nächste Kern, der an und
zugehörigen sich verabschiedet haben,
dann verneige ich mich nochmal
ausdrücklich mit meiner,
mit meiner ganzen Intuition mit allem.
Ich verneige mich, bedanke mich innerlich
dafür, dass ich die
Person begleiten durfte und die Menschen
begleiten durfte und drehe
mich um und gehe.
Und damit kann ich es dort lassen.
Und wenn es mal nicht ganz so gelingt,
weil es vielleicht wirklich
besonders schwer war, dann
habe ich ein paar
Wander-Schuhe dabei und gehe
nochmal in Wald.
Und das ist sicher für beide Seiten
wichtig, dieser Schritt.
Dass du dich rausnimmst.
Also, dass es nicht nur für
dich wichtig ist,
bewusst auch wieder aus der Familie
rauszugehen, sondern auch für
die Familie wichtig ist.
Du hattest eine Funktion und
die hast du erfüllt.
Mit allem, was du hast und dann bist
du aber wieder draußen.
Ja, danke sehr.
Jetzt habe ich es auch verstanden.
Genau.
Ja, und trotzdem ist es natürlich
ein Bereich, in dem wir
arbeiten, der uns sehr auch nahe geht.
Und uns berührt und beschäftigt.
Und wo wir ganz viel von
uns auch reingeben.
Das heißt,
wir müssen sehr gut für uns sorgen.
Du hast jetzt schon Wander-Schuhe gesagt.
Ist das eine Form?
Oder was ist deine Form für
dich zu sorgen?
Also, ich merke das immer
mal sehr deutlich.
Ich bin jetzt umgezogen und wohne jetzt
wieder sehr viel näher an
meinen ganzen Freunden und Freundinnen
und an meiner Familie.
Die ist mir alles so wichtig,
meine Familie.
Die ist mir wirklich ein und alles.
Absolut.
Und da gibt es schon fast nichts, was
ich da gerne nicht ermöglichen würde.
Und gleichsam merke ich auch, wenn
ich mich dazu sehr in
Anführungsstrichen verfügbar mache,
wenn ich da für mich nicht
eine Grenze setz und zwar allein aus
der Notwendigkeit heraus, weil
sie gesetzt werden muss, weil ich
mich sonst selbst verliere.
Schnell nochmal das Enkelchen, noch mit
die Betreuung, noch mal mit garantieren.
Vielleicht auch mit zum Handballspiel
zu kommen.
Und, und, und, und ich sage, oh, das
will ich natürlich gerne.
Und dann ist das einmal genau die
richtige Reaktion auf etwas
Schweres, was vielleicht noch in mir
gerade relativ schwer zurückgeblieben
ist.
Und manchmal merke ich aber auch
deutlich, das ist jetzt nicht dran.
Und mir die Frage zu stellen
und dann aber auch
wirklich aus dieser Intuition
heraus zu handeln.
Und ich weiß, dass allerwichtigsten
und heilsamste für mich,
neben aller Verbundenheit, das ist
wirklich in der Natur zu sein.
Und das heißt, eine Runde draußen zu
laufen, das muss jetzt nichts
Spektakuläres sein.
Das kann irgendeinen Feldweg, das kann
irgendwo, aber es ist...
Ich habe meine Frau getroffen auf dem
Feldweg und die ist da mit
einem Pferd gelaufen.
Also sie hat das Pferd geführt.
Und ich habe gefragt, was
machen Sie denn da?
Und sie hat gesagt, ja, mein Pferd
ist manchmal ein bisschen verschreckt.
Und dann muss ich das erden.
Ich dachte, ach so, das mache ich.
Ah, jetzt verstehe ich, ich erde mich.
Ich erde mich.
Also es ist so...
Und da will ich das jetzt noch
nicht mal unbedingt spirituell aufladen.
Ich glaube, das ist ganz ehrlich,
dass das Eichetypischste, das ist das
Erscheichste, was wir überhaupt
tun können.
Also da...
Das ist...
Ja, da könnte ich sagen, da kommen
wir her und da kann auch alles
zurückgehen, was vielleicht ein
bisschen schwerer war.
Zumindest mal komme ich aus der Natur
anders zurück, wenn ich
es geschafft habe.
Darf ich dank der vielen Ausbildung
auch als Achtsamkeitslehrerin
selbst mitgefüßt, der Geier, was ich
alles gemacht habe, was mir
dann auch hilft, wirklich meine
Sinne zu öffnen.
Also das ist relativ einfach, wenn
ich das auch mal grad sagen darf.
Ich bin dann beispielsweise unterwegs,
um denn ich merke, dass das
Hamsterrad immer noch so
stark funktioniert.
Dann gehe ich einfach nur
meine Sinne durch.
Also ich fange bei den Ohren an,
was höre ich gerade?
Nicht bewerten, nur hören.
Was sehe ich gerade?
Nicht bewerten, nur benennen.
Was rieche ich vielleicht?
Was schmecke ich vielleicht?
Was spüre ich?
Da kann ich auch mal grad Platten
die Hand nehmen.
Und das ist es eigentlich schon.
Und wenn ich das mache, und danach bin
ich wirklich wie verwandelt.
Eine Zeit lang habe ich auch mit
Menschen Trauerbegleitung in
der Natur gemacht,
bis zu dem Punkt an dem ich dachte,
ich bin sowas von überflüssig.
Weil wenn du das machst oder spürst,
also ich für mich, hat den
Eindruck, dass das Hamster kann ich
eigentlich mehr gar nicht
mitgeben als das.
Also ich konnte nicht mehr
mitgeben als das.
Es ist mir noch eine Sache so wichtig.
Und ich glaube, dass das
wirklich vor allem
sehr heilsam wirkt oder als
heilsam erfahren wird,
ich selbst habe früher so mir so
viele Gedanken gemacht.
Also ich würde sagen,
ich hatte so viele Konstrukte in meinem
Kopf über das, wie meine
Kindheit war und wie mein Jugend war.
Und da hatte ich so Glaubenssätze mir
auch zurecht gelegt und ich
hatte auch wirklich Schwierigkeiten.
Damals würde sagen, meine Mutter
und ich, wir haben wie zwei
unterschiedliche Sprachen gesprochen.
Und ich hatte das sehr lange
missverstanden,
als wieso kann meine Mutter
mich nicht lieben.
Und irgendwann ist es mir wie Schuppen
von den Augen gefallen, dass
meine Mutter einfach eine andere
Sprache spricht,
dass meine Mutter einfach anders
ist, dass sie ...
Und trotzdem blieb natürlich auch
Unverständnis zurück oder es blieben
auch Dinge zurück.
Aber vor allen Dingen, das weiß ich
noch wie heute, dass wie
dieser Knoten geplatzt ist, in dem ich
verstanden habe, das war wie
so ein selbst konstruiertes Leid.
Und ich glaube, da ist während der
Trauergespräche, das empfinde
ich das oftmals als so wichtig, auch
solche Momente zumindest mal
in einen größeren Raum zu stellen.
Und es könnte zum Beispiel sein, wie ...
Ich war die ganze Zeit ja bei meiner
Mutter dabei, aber in dem
entscheidenden Moment, in dem sie
verstorben ist, war ich
ausgerechnet im Zimmer und so was,
das kann ich mir nicht verzeihen.
Das kennst du zu genüge, solche Momente.
Und dann wirklich ...
Also, da hast du da selbst
Beispiele auch?
Ja, das gibt es ganz viel.
Also, gerade die Schuldfrage ist
natürlich sehr häufig.
Hätte ich mich anders verhalten, hätte
ich es verhindern können.
Das ist ja letzten Endes auch so ein
bisschen der Wunsch oder
Schuld von dem, was nicht
gesagt worden ist.
Ja,
da ist noch was offen, weil der Tod
eben oft ja nicht angekündigt kommt.
Selbst dann nicht, wenn Menschen
schwer krank sind.
Ist natürlich auch oft der
Blick, mit dem Wissen
von heute auf ein Erlebnis von
früher zu gucken.
Und nimmt sehr viel Raum ein in
der Trauerbegleitung.
Das führt mich zu zwei Anregungen
nochmal.
Also, nicht Anregungen, sondern ...
das führt mich zu zwei Weiterführungen.
Ich glaube, es ist für mich ein der
wichtigsten Aufgaben, auch
während Gespräche zumindest mal
einen größeren Raum zu
ermöglichen, in dem das zum einen
auf den Tisch gelegt wird.
Einfach mal ausgesprochen werden darf.
Zum Teil auch vielleicht stehen
gelassen werden darf.
Aber doch sehr häufig auch eine andere
Sicht noch dazu gelegt werden möchte.
Also, und dann verändert sich etwas.
Ich würde mal sagen, dieses Leid, was
da häufig wir uns selbst an
tun durch solche doch auch
sehr begrenzten
Überlegungen, das ist doch
schon wirklich enorm.
Und da habe ich den Eindruck, da was
dazu beitragen zu dürfen.
Was mir in dem Zusammenhang immer
wichtig ist, ist dieses Sowohl als auch,
das kam mir noch auch, als du gesagt
hast, dass sie ja nicht nur
trauerende da sind, die ein sehr gutes
Verhältnis zu der verstorbenen
Person haben.
Und trotzdem tut es weh.
Und es ist möglich, jemanden nicht
zu mögen und trotzdem tut es weh.
Und wir sind es oft nicht gewohnt, so
gegensätzliche Empfindungen nebeneinander
stehen zu lassen.
Und haben das Gefühl, wir müssen
uns entscheiden.
So ist das.
Dabei existiert beides immer
zur gleichen Zeit.
Das ist sozusagen, wenn ich es jetzt ganz
groß aufhängen wollte, ist
das gelebte Dualität.
Ja, genau.
Genau.
Ja, nun zu meiner letzten Frage.
Ich weiß, dass es dazu ganz viele
Antworten gibt, vielleicht
Ausgewählte von dir.
Was würdest du sagen, hast du
durch den Tod über das Leben gelernt?
Ich habe sehr hohe Ansprüche
an mich selbst.
Und ich glaube, ich habe durch den
Tod vor allem auch erlebt,
erfahren auf unterschiedlichsten Ebenen
und verstanden wirklich
auch knädiger auf mich schauen
zu dürfen.
Und das heißt zum Beispiel
auch, dass ich dieses
Ganze wissen, um das Sterben,
um den Tod, um das,
was möglicherweise danach kommt oder
aber auch nicht kommt, aber
diesen großen Bereich, das
Nichtwissens, der mich auch
total fasziniert.
Und den ich natürlich auch
irgendwie so spannend
finde, dass ich manchmal schon
versagen könnte.
Ich freue mich auf meinen Tod.
Und das ist aber auch ein Gedanke
in meinem Kopf.
Und bei all dieser Beschäftigung
mir keine Haltungsform
aufzuerlegen, wenn ich irgendwann mal
sterbe, was ich definitiv irgendwann
tun werde,
mir dann nicht irgendein Konzept vor
Augen zu halten, dass in
irgendeiner besonderen Form tun zu
müssen, nur um irgendwelchen
Vorstellungen, und bitte schon gar nicht
meinen Vorstellungen oder
irgendwelchen Vorstellungen von
einem guten Tod entsprechen zu müssen.
Und wenn ich jama und wenn ich wirklich
sehr unerträglich bin,
dann will ich versuchen, mir das zu
erlauben und das genau so zu
sein, um mich damit auch anderen
zumuten zu dürfen.
Vor allem eben aber auch mir selbst.
Weil ich glaube, dass der Tod alles
unter Umständen, aber auch,
ich könnte schon fast sagen, verzeiht.
Ich glaube, dass der Tod alles verzeiht.
Auch eine nicht finale Form von Barbara.
Ja,
ja.
Aus Sicht von dir, ja, könntest
du das auch sagen,
zu Menschen, die sagen, ich habe
jetzt wirklich ein schweres
Verhältnis gehabt zu der Person, die ist
jetzt gestorben, wir konnten
das nie klären.
Ich glaube, dass es was danach gibt.
Das berührt mich jetzt.
Also,
ich würde wirklich sagen, dass ich auch
Menschen in meinem eigenen
Leben erlebt habe, mit denen das Verhältnis
nicht einfach war, und
zwar zu Lebzeiten nicht einfach
war, auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
Und ich glaube, das ist so
diese Errungenschaft.
Ich bin den Jacobsweg ja auch gelaufen
und da bin ich gefühlt
wirklich durch diesen Schlammgerobt
mit Glaubenssätzen, die so
immer wieder und immer wieder und
irgendwann sind die wie so
von mir abgefallen.
Ich bin da wie durchgelaufen, weil ich
irgendwie daran gekommen bin, dass
es was anderes gibt.
Es gibt eine größere Wahrheit als
das, was in meinem Kopf stattfindet.
Und dann wirklich dahin gekommen zu sein,
und das habe ich während
des Jacobswegs, und das habe ich
aber auch in der Meditation
manchmal, in der ich in der Meditation
erfahren, wirklich so eine
tiefe Form von Verbundenheit und Liebe,
die auch sogar nach dem Tod noch
eine Form von Versöhnung ermöglicht.
Und die so viel größer
ist als das, was in
meinem Kopf überhaupt noch
vorstellbar ist.
Und ich glaube, das erfahren zu haben
und das auch immer wieder zu
erfahren, ist das, was mich diese
Arbeit auch tun lässt.
Ja, danke für den Einblick, für
den tiefen Einblick in deine Reise.
Was für ein Privileg auch so darüber
mit dir sprechen zu dürfen.
Vielen Dank, dass du mich
eingeladen hast.
Ja, in der nächsten Folge spreche ich
ja mit der Bettina Friemeld,
die ist Pfarrerin in Wallow
und in Wiesbaden.
Und mit ihr werde ich über Glauben und
Zweifel und das Heiligen im Beruf reden.
Und du hast jetzt die Chance, ihr eine
Frage zu stellen, die ich ihr
weitergeben werde.
Ja,
liebe Bettina, herzliche Grüße auf
dem Weg und meine Frage an
dich lautet, was hältst du da von,
dass es doch mittlerweile ganz
schön viele Trauerredner und Trauerrednerinnen
gibt, so wie mich,
die ein Feld beackern, indem doch
ausschließlich vorher
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von
Kirche tätig waren, so wie du eine bist.
Das ist meine Frage.
Vielen Dank, Barbara, danke an alle,
die zugehört haben.
Und wenn dich dieses Gespräch berührt
hat, dann leid es doch an
jemanden weiter, der es brauchen könnte.