vom Gehen und Bleiben

Simone Radzuweit

Verlust durch Suizid - ab da war das Leben anders - Sibylle Erb

Trauer nach dem Suizid eines Kindes

16.04.2026 37 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wie lebt eine Familie weiter, wenn ein Kind sich das Leben nimmt? Sibylle Erb hat ihren Sohn durch Suizid verloren. Wir sprechen über die erste Zeit danach, Schuldfragen und Sprachlosigkeit, hilfreiche Unterstützung und die Verbundenheit mit einem verstorbenen Kind. Und darüber, wie diese Erfahrung Sibylles Blick auf Trauer, Verlust und ihr eigenes Leben verändert hat.

Beratung für Betroffene und Angehörigen:
Online-Hilfsangebote für Menschen unter 25 Jahre: www.U25.de 
Online-Hilfsangebote für Menschen ab 26 Jahren: www.mano-beratung.de

Selbsthilfegruppe AGUS für Menschen, die einen Angehörigen durch Suizid verloren haben: https://www.agus-selbsthilfe.de/ mit Gruppen 



Was geschieht mit einem Leben, wenn sich das eigene Kind das Leben nimmt?
Sibylle Erbs Sohn war 22 Jahre alt, als er durch Suizid starb. „Ab da war das Leben anders“, sagt sie in unserem Gespräch.
Heute ist Sibylle Trauerbegleiterin und begleitet unter anderem Menschen nach einem Suizid. In dieser Folge sprechen wir über ihre eigene Geschichte – und darüber, wie diese Erfahrung ihren Blick auf Trauer und Verlust verändert hat.
Trauer nach einem Suizid
Nach einem Suizid rückt die Todesursache häufig stark in den Mittelpunkt.
Warum? Hätten wir etwas bemerken müssen? Hätte ich etwas verhindern können?
Sibylle kennt diese Fragen aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig hat sie in ihrer Arbeit mit anderen trauernden Eltern erlebt, dass Schuldfragen auch nach anderen Todesursachen entstehen können.
Der Suizid bringt jedoch eine besondere Sprachlosigkeit mit sich. Menschen sind verunsichert, weichen Betroffenen aus oder wissen nicht, was sie sagen sollen.
Was hilft, wenn Worte fehlen?
Was kann man für einen Menschen tun, der gerade einen schweren Verlust erlebt hat?
Sibylles Erfahrungen sind erstaunlich konkret.
Eine Suppe vor die Tür stellen. Einen Kuchen bringen. Einen Spaziergang anbieten. Kaffee kochen. Im Haushalt etwas übernehmen. Da sein – und auch wieder gehen.
Nicht immer braucht es die richtigen Worte.
Wir sprechen darüber, warum konkrete Angebote hilfreicher sein können als der Satz „Meld dich, wenn du etwas brauchst“ – und weshalb ein Nein trotzdem jederzeit möglich sein muss.
Abschied und Zeit
Sibylle und ihre Familie hatten nach dem Tod ihres Sohnes die Möglichkeit, ihn im Bestattungshaus mehrmals zu besuchen und sich von seinem Körper zu verabschieden.
Diese Zeit hat ihr geholfen.
Heute arbeitet sie selbst in dem Bestattungsinstitut, in dem ihre Familie damals Abschied genommen hat. Ihre persönliche Verlusterfahrung, ihre Ausbildung zur Trauerbegleiterin und ihr beruflicher Weg haben sich miteinander verbunden.
Trauer gibt es auch ohne Tod
Ein weiterer wichtiger Gedanke unseres Gesprächs geht über die Trauer nach einem Todesfall hinaus.
Sibylle hat viele Jahre in einer neurologischen Frührehabilitation gearbeitet. Erst durch ihre Ausbildung zur Trauerbegleiterin veränderte sich ihr Blick auf die Menschen dort und auf ihre Angehörigen.
Auch eine schwere Erkrankung kann Verluste mit sich bringen: den Verlust von Gesundheit und Selbstständigkeit, von Sprache, Zukunftsplänen oder der Vorstellung eines gemeinsamen Lebens.
Ein Mensch kann noch leben – und trotzdem kann etwas verloren gegangen sein, um das getrauert wird.
„Erst mal geht es ums Atmen“
Wie findet ein Mensch nach einem solchen Verlust zurück ins Leben?
Sibylle beschreibt keinen schnellen Weg.
Am Anfang geht es ums Atmen. Aufstehen. Essen. Trinken. Den nächsten Tag überstehen.
Erst mit der Zeit können neue Entscheidungen möglich werden. Für Sibylle gehörten dazu ihre Ausbildung zur Trauerbegleiterin und später auch ein beruflicher Neuanfang.
Heute sagt sie: Ein gutes Leben ist auch nach einem schweren Verlust wieder möglich. Es ist ein anderes Leben – mit Freude und Traurigkeit und mit veränderten Wertigkeiten.
Die Verbindung zum verstorbenen Kind bleibt
Trauer bedeutet für Sibylle nicht, die Verbindung zu ihrem Sohn irgendwann hinter sich zu lassen.
Die Verbundenheit bleibt – und sie ist nicht immer schmerzhaft.
Sie kann auch in einer Erinnerung liegen, in einem gemeinsamen Film, in einem Moment des Lachens oder in der Arbeit, die heute zu Sibylles Leben gehört.
In unserem Gespräch geht es unter anderem um:
– Trauer nach Suizid
– Suizid eines Kindes
– Schuldfragen nach einem Suizid
– verwaiste Eltern
– Sprachlosigkeit im Umfeld
– hilfreiche Unterstützung für Trauernde
– Abschied vom verstorbenen Menschen
– Trauerbegleitung nach Suizid
– Verbundenheit mit einem verstorbenen Kind
– Trauer ohne Todesfall
– Verluste durch Krankheit und gesundheitliche Einschränkungen
– Weiterleben nach einem schweren Verlust
Eine persönliche Folge über einen Verlust, nach dem vieles anders wurde – und über ein Leben, in dem Trauer und Verbundenheit ihren Platz behalten dürfen.


Beratung für Betroffene und Angehörigen:
Online-Hilfsangebote für Menschen unter 25 Jahre: www.U25.de 
Online-Hilfsangebote für Menschen ab 26 Jahren: www.mano-beratung.de

Selbsthilfegruppe AGUS für Menschen, die einen Angehörigen durch Suizid verloren haben: https://www.agus-selbsthilfe.de/ mit Gruppen 

Verein für trauernde Eltern und Kinder Rhein Main e.V.: https://eltern-kinder-trauer.de/

Mehr über mich und „Vom Gehen und Bleiben“
Ich bin Simone Radzuweit, Trauerbegleiterin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Palliative-Care-Fachkraft. In meiner Praxis in Wiesbaden begleite ich Menschen in Trauer, Krisen und Lebensübergängen und biete Gespräche zu Advance Care Planning (ACP) an.

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