Lass uns über den Tod reden - Simone und Andreas Radzuweit
18.06.2026 49 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser persönlichen Folge von „Vom Gehen und Bleiben“ spreche ich und mit meinem Mann Andreas offen über das Älterwerden, den Tod und die Endlichkeit des Lebens. Wir teilen unsere Ängste, Hoffnungen und die Bedeutung, die diese Gespräche für unsere Lebensgestaltung hat. Eine Reflexion über Liebe, Verlust und die Art, wie wir uns erinnern lassen möchten.
Meine Website: https://www.radzuweit.de
Mail: simone@radzuweit.de
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Vorsorgevollmacht Bundesminesterium der Justiz und für Verbraucherschutz:
https://www.bmjv.de/DE/themen/vorsorge_betreuungsrecht/vorsorgevollmacht/vorsorgevollmacht_node.html
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Transkript
Vom Gehen und Bleiben, der Podcast über Verluste und Menschen, die mit ihnen weiterleben. Ich bin Simone.
Heute gibt es eine besondere Folge, die sehr persönlich ist.
Ich spreche mit meinem Mann Andreas übers Älterwerden und über den Tod.
Als Paar über diese Themen zu reden, ist nicht leicht.
Die Vorstellung, ohne den anderen leben zu müssen oder selbst zu sterben, ist beängstigend.
Wir haben uns dieser Herausforderung gestellt und gemerkt, wie bereichernd der Austausch für uns war.
Hallo Andreas.
Guten Morgen, Simone.
Ja, schön, dich wiederzusehen. Den sanften Einstieg hatten wir ja schon am Frühstückstisch.
Mhm.
Und deshalb geht's direkt los mit einer Frage übers Sterben.
Okay.
Bist du bereit?
Na klar. Lass uns starten.
Wann hast du zum ersten Mal bewusst darüber nachgedacht, dass dein Leben einmal endet?
Wow. Ich glaube schon als Kind, als mir auch die Endlichkeit bewusst wurde, weiß ich nicht,
weil ich einen toten Vogel gesehen habe oder ähnliches.
Und es gibt, glaube ich, aber dann wirklich sehr viele verschiedene Stadien des Bewusstwerdens.
Als Kind dieses: "Ja, okay, das ist endlich, aber ich sehe noch ganz viele ganz uralte Menschen,
die sind älter als 30 und da habe ich noch ganz viel Zeit, da muss ich mich noch nicht mit meinem
eigenen Ableben sozusagen beschäftigen." Und irgendwann später kommt das natürlich, dass ich
selber überlege: "Wie lange habe ich denn zu leben?
Und ich werde sterben irgendwann." Spätestens seit dem Motorradführerschein wird mir das ja
alle paar Tage gesagt: "Achtung, das kann schnell zu Ende sein." Ich würde sagen, auch eine
andere Phase der Beschäftigung war, sagen wir mal, als meine Oma gestorben ist oder ich auch
selber gemerkt habe: "Ich werde älter." So: "Es gehen manche Sachen nicht mehr so wie mit 25."
Dass man dann schon auch merkt: "Ja, der Körper, das Leben ist auf Endlichkeit angelegt."
Mhm. Und wie geht es dir damit, so über so Themen zu reden wie Sterben und Tod und Trauer?
Ich würde sagen, ich habe eigentlich keine Berührungsängste, über dieses Thema zu reden und
die Facetten, die damit zusammenhängen.
Gleichzeitig ist es ja auch etwas, was dich beruflich viel beschäftigt und was sowieso von daher
immer mal bei uns Thema ist.
Und ich fühle mich wohl damit und finde es auch sehr wichtig und wertvoll, sich diese Gedanken
zu machen, weil sie ja auch wirklich etwas mit meiner Lebensplanung und mit meinem Leben jetzt
immer mal zu tun haben.
Also ich meine damit, dass wenn ich darüber nachdenke, dass ich heute anders aus diesem Gespräch
rausgehe und vielleicht noch mal ein bisschen mehr überlege, sagen wir mal als Beispiel: "Welche
Freunde habe ich schon länger nicht mehr gesehen?"
Mhm. Also im Grunde, dass die Beschäftigung mit dem Lebensende Konsequenzen fürs Leben hat?
Auf die Gestaltung meines Lebens, auf die Frage: "Was ist mir denn im Leben wichtig?"
Mhm. Ich beschäftige mich ja beruflich wirklich viel mit diesen Themen und da merke ich, dass
es doch auch auf einer gewissen Distanz bleibt.
Das geht auch, glaube ich, gar nicht anders.
Und manchmal glaube ich, dass selbst die Beschäftigung mit dem eigenen Tod auf so einer gewissen Distanz bleibt.
Also ich glaube schon, dass den meisten Menschen klar ist, dass sie irgendwann sterben müssen.
Mhm.
Und gleichzeitig wirkt das doch auch weit weg.
Ja, also so geht's mir auf jeden Fall auch.
Also ich denke jetzt immer noch: "Das ist weit weg." Natürlich, es kann auch heute noch passieren,
aber das denke ich ja nicht, das fühle ich auch nicht.
Ich denke schon noch, also ich habe schon noch locker 30 Jahre.
Mhm.
Und das finde ich auch eine interessante Frage, die du gerade aufgeworfen hast.
Du beschäftigst dich beruflich mit dem Thema, aber es geht dir ja auch privat mit diesem Thema irgendwie.
Gibt es da einen größeren Unterschied, dass du jetzt sagen würdest: "Privat, also wenn ich über meinen eigenen Tod nachdenke"?
Also natürlich ist das was anderes, als über die Trauer von den Menschen zu reden, die du begleitest.
Aber was ist der Unterschied?
Naja, der große Unterschied ist, dass es nicht um mich geht.
Das liegt ja so ein bisschen auf der Hand, so also dass ich halt eine größere Distanz dazu aufbauen kann.
Und ich bin mir auch sehr sicher und sehr bewusst darüber, wenn ich einen nahen Menschen durch
den Tod verlieren würde, dass es vielleicht einzelne Punkte gibt, die ich aufgrund von Professionalität mir vielleicht zugestehen würde.
Also weil ich das Fachwissen über Trauer habe, aber auch für mich gibt's da keine Abkürzung.
Ja.
Also auch ich müsste genauso wie alle anderen Menschen dadurch.
Also von daher: Am Ende wird mir das nicht helfen, weiß ich nicht, ist so meine Vorstellung.
Und es berührt mich natürlich noch mal ganz anders, wenn es um mich persönlich geht, auf einer anderen Ebene.
Gleichzeitig findet ja eine Auseinandersetzung statt und das erlebe ich schon auch häufig, so
auch im Freundes- und Bekanntenkreis, dass das nicht immer so ist.
Und Wissen hilft natürlich schon auch.
Oder dass ich, so wie du gerade gesagt hast, ich habe nicht prinzipiell Hemmungen, mich mit
diesem Thema zu beschäftigen oder keine Berührungsängste.
Und das finde ich schon auch eine große Hilfe, jetzt in der Theorie, vom grünen Tisch sozusagen.
Jetzt hast du ja aber gerade über den Verlust eines nahen Menschen gesprochen.
Also was das Pendant zu deinem Beruf ist, Trauernde zu begleiten.
Also wenn du jemanden verlieren würdest, dann gäbe es auch für dich eigentlich keine Abkürzung.
Wie ist es aber, wenn du über deinen eigenen Tod nachdenkst?
Was fühlst du da und was bewegt dich da?
Dadurch, dass ich ja lange im Palliativbereich gearbeitet habe, habe ich schon eine Vorstellung
davon, was ich mir selber fürs Lebensende auch wünsche, davon ausgehend, dass ich jetzt alt
bin und dann eine palliative Versorgung habe.
Das finde ich, ist ja noch mal ein großer Unterschied zu einem plötzlichen Tod, der nicht vorhersehbar war zu diesem Zeitpunkt.
Ja, klar.
Ich habe keine Angst vor dem Tod.
Also da habe ich schon öfter drüber nachgedacht.
Ich habe großen Respekt vor dem Sterbeprozess.
Das auf jeden Fall, weil ich das auch sehr unterschiedlich erlebt habe.
So, also wie das individuelle Erleben des Menschen, der verstorben ist, wo ich es mitbekommen
habe, war, kann ich ja auch nicht sagen so ganz genau.
Aber das, was ich so von außen beurteilen konnte, das war sehr unterschiedlich.
Und ja, von daher bleibt da schon auch so eine Ungewissheit.
Die bleibt beim Tod ja auch.
Es macht mir aber keine Angst.
Also da fühle ich mich doch irgendwie sicher.
Und was ich momentan sagen kann, aber das ist halt eine Momentaufnahme: Ich habe jetzt schon,
auch wenn ich sehr, sehr gerne noch viele, viele Jahre leben möchte, einen großen Frieden mit meinem Leben.
Also ich fühle mich am richtigen Platz, ich habe Aufgaben, die mich erfüllen, ich habe einen
Freundeskreis, den ich mag und eine tolle Familie und habe nicht das Gefühl, so: "Oh, hier sind
noch ganz so offene Rechnungen" oder irgendwas, wo ich sagen muss: "Boah, das sollte ich jetzt
ganz dringend noch regeln." So.
Na ja, gut, das ist ja sicher etwas eben, was auch in der Beschäftigung mit dem Tod kommt, dass
man vielleicht nicht Dinge, die man wirklich noch regeln möchte, auf die ganz lange Bank schiebt
und sagt: "Ja, das mache ich dann mal, wenn ich 80 bin.
Dann beende ich endlich diesen ewigen Zwist, diesen Streit, versöhne mich noch mal mit dem einen
oder mache noch mal diese eine Reise, die ich schon immer machen wollte." Also es müssen ja
nicht nur negative Dinge sein, auch positive Dinge.
Ja, genau. Und das ist halt irgendwie sowas, wo ich merke: Wenn mir was wichtig ist, dann setze ich das auch um.
Also ich habe wenig, wo ich irgendwie sage: "Ja, das mache ich dann mal." So, wenn ich das Gefühl
habe: "Boah, das will ich jetzt aber erleben oder das will ich machen und es ist irgendwie möglich",
dann setze ich das auch um. Ich schiebe nicht viel.
Mhm.
Und dadurch ist so ein bisschen so ein Gefühl von: "Ja, es ist okay, so wie es kommt, es ist okay."
Aber in deiner Vorstellung, wenn du dir es wünschen könntest, was wir alle nicht können, wie
alt wärst du, wenn du stirbst?
Oh weil ja, also ich glaube, für mich ist es wirklich keine Frage des Alters, sondern wie ich im Leben stehe.
Und ich hätte schon auch Angst vor Erkrankungen oder dass ich viele Dinge vielleicht nicht mehr
machen kann, also vor allem geistige Einschränkungen, so in die Richtung.
Und das ist für mich ja keine Frage des Alters, zwangsläufig.
Ja.
Also deswegen fällt es mir schwer zu sagen: "Ja, ich will auf jeden Fall 100 werden." Weil ja,
von mir aus, wenn ich fit bin, wenn ich davon aber irgendwie 20 Jahre nur im Bett liege und
meine Liebsten nicht mehr erkenne, dann kann ich mir das nicht so gut vorstellen.
Mhm.
Ja, deswegen finde ich es schwer, ein Alter zu benennen.
Wie ist denn bei dir?
Also ich möchte... Jetzt kann man...
Das ist ja genau der Punkt, man kann sich es ja so gar nicht wünschen.
Aber wenn ich da irgendwas mitzureden hätte, dann wäre ich, weiß ich nicht, 85, 88, 90 und wäre
noch relativ fit und würde, was weiß ich noch, meine kleinen Wanderungen unternehmen.
Ich weiß ja nicht, was ich worauf ich dann Bock habe.
Sicher nicht auf Händen füttern, aber schon noch ein bisschen meine Umwelt aktiv wahrzunehmen,
draußen zu sein mit Menschen, sich zu treffen, sei es Familie, sei es Freunde oder Nachbarschaft
oder so, da einen Austausch zu haben.
Und dann baue ich irgendwann schnell ab und es ist zu Ende.
Also dass genau auf diesen Prozess sicher, dass man sagt: "So, jetzt geht dies nicht mehr, jetzt
geht jenes nicht mehr, jetzt vergesse ich alles, jetzt bin ich, weiß ich nicht, für meine Mitmenschen
und alle eigentlich mehr eine Belastung als irgendwie noch eine Bereicherung." Das will doch keiner über viele Jahre.
Das wünscht sich doch niemand.
Und da geht es mir, glaube ich, ganz genauso.
Ja.
Schon noch. Also ich möchte jetzt auch nicht mit 70 abtreten.
Ich glaube auch, ich freue mich auch so ein bisschen aufs Altsein.
So bestimmte Dinge, weiß ich nicht, nicht mehr zu müssen, auch vielleicht eine Altersgelassenheit
hinzubekommen, weil ich eben nicht mehr so viel Verantwortung, sagen wir jetzt, im Beruflichen
habe, dass man sich auch aus ein paar Sachen rausnehmen kann in der Verantwortung und so ein
bisschen gelassen ist und das auch genießen kann.
Und weiß nicht, dann die Zeit zu abonnieren und sie jede Woche einmal ganz durchzulesen oder so. Wie geht dir das?
Würdest du sagen: "Hast du Angst davor, alt zu sein?" Oder ist das auch so ein: "Ja, das kann
auch echt eine coole Zeit sein?"
Nee, Angst habe ich davor nicht.
Im Grunde wachse ich ja jetzt schon jeden Tag rein ins Älterwerden, sozusagen.
Also wie du gesagt hast, ist es ja jetzt auch nicht mehr wie mit 20.
Und von daher hoffe ich, dass da ganz genauso, also dass ich in diese Herausforderung auch irgendwie reinwachse.
In der letzten Folge war ja die Gila da und die hat dir eine Frage gestellt.
Okay.
Ich würde gerne von Andreas wissen, wie sich seine Haltung zum Thema Tod verändert hat, seitdem
er an deiner Seite ist und du dich mit diesem Thema beruflich beschäftigst.
Über die Frage habe ich noch nie wirklich nachgedacht.
Natürlich hat sich mein Bezug zu Trauer verändert und ich würde sagen, der Hauptpunkt ist, dass
sich manche Klischees und manche Ängste verabschiedet haben.
Dass ich also ein bisschen von dir erfahren habe, wie unterschiedlich Trauer sich auswirkt bei
Menschen, wie unterschiedlich Menschen trauern.
Mhm.
Dass es da in der Frage der Zeit, in der Frage der: "Möchte ich darüber reden oder nicht?
Möchte ich darauf angesprochen werden oder nicht?
Brauche ich menschliche Nähe oder Abstand?
Möchte ich am liebsten das ganz sachlich haben, dass mir jemand dann lieber ohne groß darüber
zu sprechen hilft, die das Zimmer zu streichen oder was weiß ich." Dass es da ganz große Unterschiede gibt.
Ich habe früher viel eher in Stereotypen gedacht.
Die Aspekte von Altwerden, Sterben und Tod sind bei mir natürlich viel präsenter geworden, dadurch,
dass du dich damit so beruflich auch beschäftigt hast.
Nicht nur das Thema Trauer, auch das Thema
Palliativcare, also Patientenverfügung. Also was möchte ich, was noch passiert, wenn ich es
selber nicht mehr entscheiden kann?
Dass ich mir darüber jetzt schon Gedanken mache, weil das kann eintreten und ich muss mir jetzt
Gedanken machen, damit es dann nicht andere für mich entscheiden.
Das fand ich, war ein ganz einleuchtender Gedanke.
Und das ist einer der Aspekte von Tod und Sterben, die dann so ein bisschen präsenter wurden,
wie etliche andere Aspekte auch.
Also ich habe viel detaillierter an dem Thema gearbeitet, selber drüber nachgedacht für mich
selber und bin da wahrscheinlich auch früher als viele andere zu für mich schlüssigen Konzepten gekommen.
Beispielsweise habe ich auch drüber nachgedacht: "Wie ist es denn?
Wo möchte ich, wo und wie möchte ich beerdigt werden?" Und das ist vielleicht auch relativ pünktlich
noch, aber das sind so Themen, mit denen habe ich mich jetzt schon beschäftigt.
Wir haben ja jetzt oft so über das Alter dann auch gesprochen.
Also immer schön davon ausgehen, dass wir erst sterben, wenn wir alt sind.
Glaubst du, dass es sowas gibt, so einen Punkt im Leben, wo man sagen kann: "So, jetzt ist mein Leben vollständig?"
Optimalerweise kann ich mir das so vorstellen, dass man so eine Art: "Ich bin satt, ich habe
vieles gesehen in diesem Leben und erlebt, was es für mich zu einer runden Sache macht und jetzt
ist total in Ordnung, auch abzutreten." Das geht sicher erst ab einem bestimmten recht hohen
Alter, dass man das so sagen kann.
Aber ich kann mir das schon vorstellen, ja, dass man so eine Zufriedenheit zum Schluss erlangt.
Ich habe das irgendwie nicht.
Also ich habe das Gefühl, ich lebe eigentlich die ganze Zeit so oder möchte die ganze Zeit so
leben, dass mein Leben vollständig ist, weil es ja immer noch was gibt, was ich erleben möchte.
Und das kann ich mir gar nicht vorstellen, dass das irgendwann mal aufhört.
Also schon, dass ich nicht mehr alles mitmachen möchte, ja.
Trotzdem hoffe ich, dass ich bis zum Schluss auch noch das Bedürfnis habe, dass nicht nur schmerzlich
der nächste Tag kommt, sondern dass ich mich auch noch darauf freue.
Und so ist es heute ja auch.
Und gleichzeitig finde ich jetzt auch schon mein Leben vollständig.
Das ist ja so ein bisschen so ein Widerspruch.
Ja, es ist ein spannender Gedanke, dadurch, dass er so diesen Widerspruch in sich trägt.
Und das, glaube ich, meinte ich auch mit diesem Frieden, den ich spüre.
Und das finde ich eigentlich auch ganz schön für die Menschen, die mich lieben, weil zumindest...
Also es kann ja sein, dass sich das noch mal ändert.
Hätte ich jetzt das Gefühl, ich habe so viel Gutes erlebt in meinem Leben, das ist auch schon...
Also ich weiß nicht, ob viele Menschen so viel Gutes erleben in ihrem Leben.
Das ist schon wirklich so...
Ich fühle mich da sehr beschenkt.
Ja.
So und hoffe, dass das auch so anhält.
Und gleichzeitig das, was du sagst, mit diesem Lebenssatt, wird mit Sicherheit immer mehr kommen.
Und im Kleinen merke ich das auch schon heute, dass ich bestimmte Sachen ja auch nicht mehr mitmachen muss.
Trends oder irgendwas, was mir früher als junge Frau wichtig war, das ist mir heute überhaupt nicht mehr wichtig.
Und für meine Entwicklung war das aber wichtig, das so auch mitzugehen und mich irgendwann zu positionieren.
So, und wenn ich das jetzt immer weiter denke, dann kann ich auch dieses Lebenssatt so ein bisschen nachspüren, zumindest.
Mhm.
Über das Thema Patientenverfügung haben wir uns ja auch schon ausführlich unterhalten, weil
ich ja die Weiterbildung für Advanced Care Planning gemacht habe, für die Gesprächsbegleiterin-Ausbildung
und mich da ja sehr intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt habe.
Und dazu wird es auch noch mal eine eigene Podcastfolge geben.
Ich fand das da schon sehr intensiv, sich damit auseinanderzusetzen: Was möchte ich, was für
medizinische Maßnahmen noch gemacht werden, wenn ich selber nicht mehr in der Lage bin, das zu äußern?
Und dass wir uns auch gegenseitig da vertreten, was ja auch gar nicht so einfach ist.
Ja.
Sollten wir das jemals füreinander machen müssen?
Wie war das für dich, als wir über diese Themen gesprochen haben, wo es ja ganz konkret auch
darum ging, ja, sich mit dem eigenen Tod oder auch dem Tod des anderen jeweils auseinanderzusetzen?
Also für mich war die Auseinandersetzung erstmal eine recht kognitive Leistung.
Ich habe natürlich wenig medizinische Erfahrung oder so.
Und dann sich damit zu beschäftigen: Wie ist das eigentlich?
Also was wäre denn in einem Fall, dass ich nicht mehr entscheidungsfähig bin? Was bedeutet das medizinisch?
Was kann das alles sein?
So, dass diese sachliche Auseinandersetzung damit, die hat mich auch jetzt nicht weiter groß berührt oder aufgeregt.
Das war mehr ein Wissen drauf schaffen und dann ein Abwägen von Lösungen und Wegen, die man da so gehen kann.
Was ich schwierig finde zu denken, in der auf der emotionalen Ebene vor allem, ist: Ich müsste
im Ernstfall wirklich für dich entscheiden und weiß das, was du möchtest, aber ich müsste es
für dich entscheiden: Was passiert in so einem Fall?
Was soll getan oder was soll eben auch nicht mehr getan werden?
Und die Vorstellung finde ich schon wirklich sehr schwierig.
Na ja, und deswegen macht man ja Patientenverfügungen, damit du es eben nicht entscheiden musst.
Damit ich es leichter habe.
Damit du im Grunde die Entscheidungen, und die ich getroffen habe, umsetzt.
Ja, das also diesen Gedanken an der Patientenverfügung, den kann ich total unterstreichen, finde ich mega.
Trotzdem ist das also das, was ich meinte, ist auf der emotionalen Ebene egal, ob ich es jetzt
entscheiden muss oder nur sozusagen dein Schriftstück raushole und sage: "So wollte es Simone,
so machen wir das jetzt." In dieser Situation zu sein, diese Vorstellung, die ist schon schwierig. Die finde ich schwierig.
Die ist auf jeden Fall schwierig.
Deswegen haben wir auch lange überlegt, ob wir das überhaupt füreinander machen können oder
ob es nicht Sinn machen würde, da auch jemand anderen mit ins Boot zu nehmen.
Und haben uns dann ja aber trotzdem entschieden, dass wir das füreinander machen.
Und für mich ist es schon ein großer Unterschied, ob ich weiß: Wir haben darüber uns unterhalten, darüber gesprochen.
Du hast mir deinen Willen gesagt und den setze ich jetzt um.
Natürlich, das wird sauschwer, wenn das mal nötig sein sollte.
Und trotzdem stelle ich es mir leichter vor, als hätte ich das nicht.
Ja.
Als hätte ich mich nie mit dir darüber unterhalten und müsste wirklich selber entscheiden, was
das was jetzt zu tun ist oder was nicht zu tun ist.
Und müsste auch im Grunde noch mehr die Verantwortung dafür übernehmen.
Und so hast du sie im Grunde selber übernommen.
Und meine Verantwortung ist, dass ich deinen Willen dann umsetze.
Und ja, und trotzdem natürlich wünschen wir uns ja nie, in diese Situation zu kommen.
Und ich hoffe, dass wir dieses Schriftstück niemals brauchen.
Also das ist ja ganz klar.
Gleichzeitig kann ich mir auch nur schwer vorstellen, ja, wie mich das sonst zumuten könnte.
Also sicher vielleicht irgendwann, wenn wir noch mal deutlich älter sind, werden es vermutlich
eher vielleicht unsere Kinder, wenn sie dazu bereit sind.
Es ist natürlich wirklich auch ein großer Vertrauensbeweis, sowas zu machen.
Ja.
Im Rahmen dessen haben wir uns ja dann auch mit sowas, du hast es ja schon angerissen, mit sowas
wie "Wie möchte ich bestattet werden?" auseinandergesetzt.
Ja.
Was hast du da für Ideen?
Also ich für mich würde ich sogar sagen, ist es mir relativ egal.
Meine Gedanken gehen eher an: Sollte ich zuerst sterben, gelten die dir und sicher, sagen wir mal, unseren Kindern?
Wenn Menschen, die sich an mich erinnern möchten, einen Platz haben, wo sie damit hingehen können,
dann fände ich gut, dass das für sie gut passend ist.
Jetzt sind wir ein paar Mal umgezogen, haben also so keinen Ort, wo wir sagen würden: "Das ist
doch unsere Heimat." So richtig an diesem, in dieser Stadt, in diesem Ort, an diesem Stadtteil,
auf diesem Friedhof sollte das sein.
Und von daher könnte ich mir am ehesten vorstellen, wird das ein Friedwald, wo ich oder meine
Asche dann eben beerdigt ist, so dass man zum Beispiel keine Grabpflege hat oder irgendwelche
Entscheidungen treffen muss, die, weiß nicht, die man gar nicht, vielleicht auch gar nicht treffen
will, sondern dass man sagt: "Weiß nicht, ich bin da in der Gegend, ich mache noch mal einen
Spaziergang raus zu dem Baum, denke noch mal an Andreas und habe da und habe da diesen Platz
für, an dem ich das auch wie ein gutes Ritual tun kann."
Ja, es geht mir auch irgendwie so, dass ich denke: Ich für mich habe gar nicht so einen speziellen
Wunsch, dass ich irgendwie sage: "Boah, das muss an dem und dem Ort sein oder in der und der
Form." Sondern im Grunde fände ich schön, wenn eine Form gefunden wird, die denen, die bleiben,
vielleicht Trost gibt oder ja Halt.
Und wenn Menschen ein Grab pflegen wollen, weil zum Beispiel die Grabgestaltung oder irgendwas
auch eben eine Aufgabe sein kann, die schön ist, ja, okay.
Und wenn nicht, dann nicht.
So, also ich habe da wirklich auch nach längerem Nachdenken, komme ich ja, ich komme nicht dahin
zu sagen: "Boah, es soll unbedingt das und das" oder "Meine Asche soll da oder dahin" oder irgendwie.
Ich habe das auch tatsächlich nicht so richtig für eine Abschiedsfeier oder Bestattungsfeier
oder wie man es auch immer formuliert.
Auch da habe ich nicht so richtig Wünsche, wo ich sage: "So, das muss da aber jetzt gesagt werden
über mich" oder "Es soll ein bestimmtes Lied gespielt werden." Ich weiß, es wäre echt voll praktisch,
wenn ich das alles so aufschreiben könnte.
Muss ich mich vielleicht noch mal...
Also da hat es dann tatsächlich so ein bisschen aufgehört mit der Beschäftigung.
Aber so ein bisschen, weil ich auch echt keine Vorstellung oder keine konkreten Wünsche habe
oder sage: "So, das geht gar nicht." So, es ist halt sehr viel möglich heute, das zu gestalten.
Und mir ist schon bewusst, jetzt gerade auch im Sprechen, dass dadurch, dass ich jetzt sage:
"Ja, ist mir eigentlich egal", ist das natürlich auch keine Hilfe für die, die bleiben.
Von daher kann es ja schon hilfreich sein, mich noch mal hinzusetzen und da was aufzuschreiben.
Ja, aber vielleicht auch mit diesem Zusatz, zumindest Stand jetzt, das muss nicht 100 % so umgesetzt
werden, sondern so könnte ich es mir vorstellen.
Hast du da was Bestimmtes?
Also ich habe bis auf diese ganz klassischen Beerdigungen, die wir kennen, wo, sagen wir mal,
eine Pfarrerin oder ein Pfarrer oder jemand, den man da gut kennt, diese Beerdigung leitet,
dann werden ein paar Lieder gesungen oder gespielt.
Vielleicht auch Lieder, die aus meinem Leben waren.
Musik, die ich vielleicht selber geschrieben habe oder irgendwas.
Das kann auch total was Lustiges sein oder so.
Das muss ja gar nicht so, je nachdem, wie es dann ist, immer nur alles ganz schwarz und mit großer Trauer behaftet sein.
Das sind so, das sind die Bilder, die ich sagen würde, wenn ich über meine eigene Beerdigung
sozusagen nachdenke, dann kommen mir solche Bilder.
Aber ich habe mich auch wirklich noch gar nicht damit beschäftigt, ob ich das so will oder ob
ich nicht ganz andere Ideen eigentlich entwickeln würde, wenn ich mich mal wirklich damit beschäftige.
Mal schauen, das ist ein gutes Projekt, darüber mal nachzudenken.
Ja, dann haben wir ja auf jeden Fall noch was, wo es weitergehen kann diesbezüglich.
Ja, jetzt ist ja unsere Vorstellung so: Wir sind alt und lebenssatt und wachen eines Morgens gemeinsam nicht mehr auf.
Hand in Hand.
Hand in Hand, genau. So war mal die Absprache.
Ja, ja.
Ja, also vermutlich klappt das ja nicht.
Ja, man muss auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen.
Ja. Was würde dir denn helfen, wenn ich vor dir sterbe?
Was würde mir helfen, wenn du vor mir stirbst?
Also ich kann nicht gut sagen, was mir helfen würde, wenn du vor mir gehst, weil das ist natürlich
schon wirklich ein schwerer Gedanke, den ich gerne nicht so denke.
Ich glaube, mir persönlich helfen zwei Dinge.
Mir persönlich hilft, dass wir ein gutes Leben miteinander gehabt haben.
Dass ich mit ganz viel Dankbarkeit auch auf viel gemeinsame Zeit zurückblicken werde.
Das ist, glaube ich, eine gute Hilfe, wenn ich mir die dann bewusst machen kann, in all der
Trauer und in all dem, was dann ist.
Aber daran kann ich mich wahrscheinlich dann schon auch gut festhalten.
Und ein zweiter Punkt ist die Hoffnung auf, dass es damit nicht vorbei ist.
Und ich weiß ja überhaupt nicht, wie es hinterher weitergeht.
Also gibt es etwas nach dem Leben hier?
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es etwas gibt und dass damit nicht alles einfach zu Ende
ist und wir einfach nicht mehr existieren, verglüht sind.
Was glaubst du denn, wo wir sind oder was dann ist?
Meine Vorstellung vom Leben nach dem Tod, die ich früher hatte, habe ich alle.
Heute würde ich sagen, nicht mehr.
Ich hoffe, dass da was ist und ich glaube auch, dass da etwas ist.
Aber ich habe überhaupt keine Vorstellung davon, was und wie und wo.
All die Bilder, die ich früher hatte, habe ich heute nicht mehr.
Das, was ich glaube und hoffe, ist ein großes Wort: Frieden.
Und dass etwas ganz Friedliches uns erwartet nach dem Leben hier.
Wie ist es bei dir?
Also ich glaube auch auf jeden Fall, dass es mit dem Tod nicht zu Ende ist.
Also ich glaube schon an Gott.
Also ich glaube auch, dass wir bei Gott sind.
Nur was, also dann hört die Vorstellungskraft so ein bisschen auf.
In welcher Form sind wir da? Ist das unsere Seele?
Wie sieht Seele denn aus?
Gibt es einen Körper? Wie sieht, ja, wie sieht das generell aus?
Das ist alles wie in so einer Art Nebel. Es übersteigt mein Hirn.
Ja.
So, aber ich habe nicht die Vorstellung, dass es dann komplett zu Ende ist.
Aber wie jetzt genau ein Übergang aussieht und wie ist es jetzt vom Tod in die neue Existenz,
das kann ich nicht sagen.
Habe ich überhaupt keine Vorstellung von.
Und da sind wir ja auch tatsächlich im Glaubensbereich.
Trotz aller Bemühungen, da mehr drüber zu erfahren, ändern sich die Aussagen dazu ja permanent.
Ich finde trotzdem, dass es auch was Tröstliches hat.
Nicht, ja, nicht die Vorstellung zu haben, dass danach alles zu Ende ist.
Und ich glaube schon auch an ein Wiedersehen.
So, ja, das auf jeden Fall.
Und das finde ich, ist schon auch was, was Trost geben kann.
Also wenn ich darüber nachdenke, ein Wiedersehen, denke ich zum Beispiel an meine Oma.
Dass ich natürlich schon so ein bisschen neugierig bin: Wie war meine Oma denn als Mensch, vielleicht sogar als junger Mensch?
Und wie nehme ich das als Erwachsener, weil ich kannte sie ja als Kind?
Wie nehme ich das heute als Erwachsener wahr?
Weil sie für mich ja auch eine wertvolle Bezugsperson war.
Und ihr wieder zu begegnen und sie dann neu zu entdecken, darauf bin ich schon neugierig.
Also wenn das möglich ist, da hätte ich echt Bock drauf.
Und sie ist jetzt ein Beispiel für viele Leute natürlich, mit denen ich mich gerne mal unterhalten würde.
Ja, und gleichzeitig bleibt wirklich dieser Nebel, so eine Vorstellung irgendwie.
Also ich habe richtig das Gefühl, es übersteigt das, was ich hier auf der Erde zur Verfügung habe, irgendwie an Vorstellungen.
Es ist aber auf jeden Fall was Positives auch.
Also ich glaube, dass es uns gut geht.
Ich habe nicht die Vorstellung von Leiden oder so, wenn wir gestorben sind.
Aber auch das, es ist alles, ja, es ist im Glaubensbereich.
Willst du etwas hinterlassen oder wünschst du dir, dass etwas von dir übrig bleibt, wenn du gestorben bist?
Meinst du so in Richtung, was die Menschen über mich sagen oder?
Also es geht ja nicht um was Materielles.
Nein, nein, nein, nein. Es geht mir jetzt nicht um: Wie viel Erbe willst du irgendwem oder willst
du an eine Partei oder Tierschutzorganisation was Großes spenden?
Sondern es geht mir um die Frage immaterielle Werte auf jeden Fall.
Also sagst du: "Ich möchte unbedingt bis zu meinem Lebensende ein Buch geschrieben haben" oder
"Ich möchte etwas geschaffen haben, was mein Leben überdauert"?
Also nicht im großen Sinn.
Also ich finde, wenn du jetzt sagst: "Ja, möchtest du ein Buch geschrieben haben?" und dieses
Buch steht dann der Menschheit zur Verfügung,
diese Motivation hatte ich nicht.
Also auch keine Ahnung, diesen Podcast wird man ja hören können, wenn ich nicht mehr lebe.
Aber das war nicht meine Motivation, diesen Podcast zu starten im Sinne von: "Ja, dann hat die
Welt noch was, was sie hören kann, auch wenn ich nicht mehr lebe." Ich vermute, es ist dann irgendwann auch rum. So, nee, das nicht.
Viel wichtiger ist mir natürlich, was ich bei den Menschen hinterlasse, die ich liebe.
Bei meiner Familie, bei meinen Freunden.
Und das hat viel im Grunde mit dem Anfang auch wieder zu tun.
Dieses, ja, ich möchte in Frieden oder in...
Also wenn ich Frieden sage, meine ich jetzt nicht Frieden um jeden Preis und ich spreche nichts an oder so.
So bin ich ja auch gar nicht.
Nur ja in einer Wahrhaftigkeit und dass ich denke: "Ja, ich bin am richtigen Platz", sowas. Und das reicht mir.
Also ich habe nicht das Bedürfnis, die Welt muss sich an mich erinnern.
Aber es wäre schön, wenn sich ein paar Leute an mich erinnern. So.
Ja, ja. Ich glaube, da geht es mir auch ähnlich, dass ich gerne bei den Menschen, die mir nahestehen,
in positiver Erinnerung bleiben möchte als ein Mensch, der etwas Schönes in ihrem Leben war,
eine Bereicherung für ihr Leben war.
Und das ist so die Hauptsache.
Was wünschst du dir denn, was die Leute mal über dich sagen?
Endlich macht er keine blöden Sprüche mehr.
Da gibt es zwei Antworten drauf.
Das eine ist, dass mir an manchen Punkten oder an vielen Punkten ja schon jetzt gar nicht so
wichtig ist, was Leute über mich sagen, die mir nicht nahestehen.
Und der andere Punkt, und das ist jetzt ja eigentlich auch der wichtige Punkt, dass Menschen,
die mir nahestehen, hinterher sagen können: "Wir waren ihm wichtig."
Also mehr, was du für andere warst?
Ja, was ich für andere war, nee.
Also dass Menschen sagen: "Wir waren ihm wichtig." Und dass Menschen mir wichtig sind, sie mir
am Herzen liegen, die, die mir nahestehen, das möchte ich zu Lebzeiten ausreichend ausgedrückt haben.
Dass sie wissen, meine Kinder, meine Freunde wissen: "Ich habe sie geliebt.
Ich liebe sie jetzt." Das möchte ich jetzt auch ausdrücken.
Und das ist mir, glaube ich, wichtig, weil ich weiß nicht, weil mir das vielleicht nicht so
in die Wiege gelegt ist, dieses Gefühl gut auszudrücken.
Aber das ist mir trotzdem total wichtig, dass das auch ihnen immer wieder bewusst ist.
Was wird später über dich gesagt oder was könnte auf deinem Grabstein stehen?
Auch auf meinem Grabstein, wenn es denn überhaupt einen gibt.
Ja, aber was wird über dich gesagt?
Muss nicht draufstehen.
Ich wünsche mir schon beruflich, dass ich eine Hilfe gewesen bin für Menschen. Das auf jeden Fall.
Und ja, es ist vor allem auch tatsächlich diese Beziehungsebene, wo ich als Freundin wahrgenommen
werde, genauso wie als Mutter, die sich eingesetzt hat.
Es geht mir aber noch nicht mal darum, dass am Ende alle nur sagen, also positiv irgendwie über mich reden.
Also ich finde, man kann auch durchaus Punkte sagen, die schwierig waren im Umgang mit mir.
Auch keine Ahnung, Ungeduld und ja, verschiedene Punkte, die...
Also es geht mir, glaube ich, weniger wirklich darum, dass am Ende irgendwie nur gesagt wird:
"Ja, das war toll und das war toll und das war toll." Oder dass nur gesagt wird, was irgendwie gut war.
Ich war ja auch einfach Mensch mit allem, was dazugehört.
Ja.
Deswegen glaube ich sogar tatsächlich, es ist mir wirklich wichtig, was die Leute hinterher über mich sagen.
Vielleicht nur im Kontext: "Wer möchte ich sein?" Aber nicht: "Was sagt jemand anderes darüber?"
Ja.
Also in dem Kontext. Weil wie, was hinterher Leute über mich sagen, es wird Leute geben, die
finden es gut, was und wie ich was mache und andere nicht.
Und das ist auch völlig in Ordnung.
Sondern im Grunde läuft die Frage ja eher darauf hinaus, dass ich heute mich immer wieder frage:
"Bin ich die Person, die ich sein möchte?" Und das finde ich eigentlich viel wichtiger als:
"Was sagt irgendein Mensch dazu?"
Ja.
Und natürlich wünsche ich mir, dass die Leute, die mir nah sind, dass ich, genau wie du es gesagt
hast, dass die Liebe, die ich spüre, dass die auch ankommt.
Ich finde den Satz aber auch gut.
Den kann man sich ja praktisch jeden Tag fragen.
Dann lebt man gesünder und das ist besser für alle.
Bin ich die Person, die ich sein möchte?
Kannst du dir denn vorstellen, wenn ich vor dir sterbe, wieder eine Partnerin zu haben?
Ja, das schon. Aber auch nicht als: "Das muss so sein." Ich kann mir beides vorstellen.
Ich kann mir schon auch vorstellen, mein Leben dann alleine zu gestalten.
Dann wäre natürlich die Herausforderung, das, was wir jetzt im Alltag, durch den Alltag natürlich
haben, viel Begegnung und Gemeinschaft und Gemeinsamkeit, alleine auch hinzubekommen, dann mit Freunden und so weiter.
Ich kann mir aber auch vorstellen, eben eine neue Partnerin zu haben, so vor allem mit dem Aspekt
in meinem jetzigen Denken, nicht alleine zu sein, wenn man alt wird, sondern Alter mit jemandem zusammen zu erleben.
Also für mich wäre es auch völlig okay in meiner Vorstellung, wenn du eine Partnerin hättest.
Also ich habe da gar kein...
Es fühlt sich gar nicht komisch an oder irgendwie weiß ich nicht, dass ich denke: "Nein, das
darf nicht sein, auf gar keinen Fall" oder so.
Weil ich aber auch weiß, was wir miteinander hatten oder haben.
Also jetzt sage ich mal haben, weil wir haben es ja zum Glück immer noch.
Und das bleibt davon ja unberührt.
Ja.
Egal, mit wem du dann weiterlebst, das, was wir haben, das bleibt.
Und ja, wir haben Familie gegründet, wir haben viele, viele gemeinsame Jahre und das ist da.
Und das andere ist das Neue.
Und für mich kann Liebe auch tatsächlich geteilt werden.
Ich will damit noch nicht mal sagen: "Ja, das, was du mit einer neuen Frau hättest, das ist
dann auf jeden Fall schlechter als das, was wir hatten" oder so.
Soweit will ich überhaupt nicht gehen.
Es ist auf jeden Fall anders und das, was wir haben, ist was ganz Eigenes.
Ja.
Und gleichzeitig weiß ich aber, dass ich mehrere Menschen lieben kann.
Also dass auch du oder ich, wir sind in der Lage, mehrere Menschen zu lieben.
Was wir ja auch heute schon tun.
Ja, genau.
Also vielleicht jetzt nicht so in der partnerschaftlichen Liebe, aber ich liebe ja auch sehr meine Kinder, meine Freunde.
Ja, ganz genau. Und von daher kann ich mir das auch vorstellen und sehe das als was Eigenständiges, so.
Ich, also ich kann mir nicht...
Ich glaube, diese Verbundenheit und oder der Weg, vielleicht ist es so, der Weg, den wir zusammen zurückgelegt haben mit...
Wir waren sehr jung, als wir zusammengekommen sind, haben uns entwickelt, haben viele kleine
und auch sehr große Entscheidungen gemeinsam getroffen.
Sowas auch wie das Studio zu gründen und die Berg- und Talfahrt damit mitzumachen.
Diese Verbundenheit, die das alles erzeugt, das kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Art
von Verbundenheit jemals wieder mit einer anderen Person möglich sein würde.
Und das ist schon auch eine Qualität.
Also das heißt nicht unbedingt besser oder schlechter, aber das ist eine Qualität, die unsere Beziehung heute hat.
Die kann ich mir nicht vorstellen, dass das in dieser Qualität noch mal mit einer anderen Person da sein würde.
Ja, das stimmt. Ja, nur gleichzeitig hätte ich jetzt so das Gefühl, ich würde wie so eine Mauer
aufstellen, auch wenn ich jetzt sagen würde: "Ja, das wird auf gar keinen Fall so gut wie mit uns" und so.
Und das möchte ich nicht.
Und vielleicht ist es auch einfach nicht vergleichbar.
Es ist ja auch eine völlig andere Lebensphase und so weiter.
Genau. Ich glaube, man muss das nicht vergleichen.
Und ich habe neulich irgendwo so eine Headline irgendwie gelesen: "Man kann sich doch noch in
jedem Alter verlieben." Das glaube ich auch, dass wenn ich oder du, wenn einer von uns früh
stirbt, dass der andere auch sich noch mal wirklich verlieben kann und dass auch wirklich Liebe
da ist und entsteht und man die vielleicht gar nicht vergleichen muss oder gar kleinreden gegenüber
dem, was wir jetzt haben.
Nur dieses Thema Verbundenheit, diese Tiefe und Qualität, wie ich es jetzt dir gegenüber verspüre,
das kann ich mir jetzt einfach nicht vorstellen, dass das noch mal so kommt.
In der nächsten Folge spreche ich ja mit einer Kollegin von dir, Johanna Roth.
Wir reden da über das Familienhörbuch, was sie mit begleitet, mitgestaltet.
Und du hast die Chance, ihr jetzt eine Frage zu stellen.
Ja. Moin Johanna. Wir haben uns ja schon oft unterhalten über alle möglichen Fragen über Gott und die Welt, sozusagen.
Dadurch, dass du bei uns als Foley-Artistin viele Filme schon vertont hast.
Meine Frage an dich, die ich nämlich in all diesen Gesprächen nie gestellt habe, ist: An wen
soll man sich erinnern, wenn sehr viel später mal über Johanna Roth gesprochen wird?
Alles klar, das gebe ich weiter. Danke.
Gerne.
So, und was machen wir jetzt? Irgendwas Schönes, oder?
Ich lade dich auf einen Kaffee ein.
Ja, wunderbar.
Ja, jetzt sind wir auch schon am Ende von dieser Folge.
Wenn dich diese Folge berührt hat, dann teile sie doch gerne mit Menschen, die es weiterbringen
könnte, und folge mir auf einem deiner Kanäle.