Erinnerungen festhalten: Das Familienhörbuch mit Johanna Roth
09.07.2026 42 min
Zusammenfassung & Show Notes
Der Verlust eines geliebten Menschen ist eine der schwierigsten Erfahrungen im Leben. Besonders für Kinder, die einen Elternteil verlieren, bleiben oft viele Fragen unbeantwortet. Das Familienhörbuch ist ein einzigartiges Projekt, das genau hier ansetzt: Es ermöglicht lebensverkürzend erkrankten Eltern, ihre Lebensgeschichten, Gedanken und Botschaften für ihre minderjährigen Kinder in Form eines Hörbuchs festzuhalten. Diese auditiven Erinnerungen schaffen eine bleibende Verbindung und unterstützen Kinder auf ihrem Weg ins Erwachsenenalter.
Die Sounddesignerin Johanna Roth, die freiberuflich für das Familienhörbuch tätig ist, gibt in diesem Gespräch tiefe Einblicke in die Entstehung und die Bedeutung dieser besonderen Hörbücher. Sie teilt ihre persönlichen Erfahrungen und erklärt, wie das Projekt Eltern und Kindern gleichermaßen Halt und Trost spendet
Das Angebot finanziert sich über Spenden. Wer sich beteiligen möchte: https://familienhoerbuch.de/spenden
Meine Website: https://www.radzuweit.de
Mail: simone@radzuweit.de
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Familienhörbuch: https://familienhoerbuch.de
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Transkript
"Vom Gehen und Bleiben": der Podcast über Verluste und Menschen, die mit ihnen weiterleben. Ich bin Simone.
Heute spreche ich mit Johanna Roth.
Sie ist Sounddesignerin für Filme und freiberuflich tätig für das Familienhörbuch.
Das ist eine Initiative, die es lebensverkürzt erkrankten Eltern ermöglicht, ihre Geschichte für ihre Kinder festzuhalten.
Wir sprechen darüber, was dieses Hörbuch für die Eltern und die Kinder bedeuten kann und wie
es in der Trauer unterstützt.
Herzlich willkommen, Johanna.
Hallo.
Ja, du bist im Grunde die Erste, die mir nicht gegenübersitzt.
Sag doch mal gerade, wo du bist.
Ja, ich bin gerade in München, da bin ich hingezogen mit meinem Studio.
Ich war davor in Frankfurt, da hätte es natürlich gut gepasst, aber ja, das war jetzt für die
Anfahrt etwas lang, deswegen nehme ich aus München auf.
Ja, sehr schön. Und wir wollen ja heute über das Familienhörbuch sprechen.
Wie bist du denn zum Familienhörbuch gekommen?
Ich bin während der Corona-Zeit, meine ich, so um den Dreh, also so 2020, glaube ich, zum Familienhörbuch gekommen.
Das hatte mir meine Mutter vorgeschlagen, weil sie das in einer Doku gesehen hatte, diese Organisation, dieses Projekt.
Und dann habe ich die angeschrieben und, genau, bin dann erst mal eingestiegen, habe ein bisschen
unterstützt bei Social Media und habe dann aber auch die Ausbildung gemacht.
Das ist so ein, also genau, wenn man als Sounddesignerin oder Audiobiografin dort arbeiten möchte,
muss man natürlich davor auch sich fortbilden, quasi in dem Bereich, also zu dem ganzen Thema
auch Sterben, Tod und Sterben und Trauer.
Und das, genau, habe ich dann gemacht und bin seitdem als Sounddesignerin eben auch freiberuflich tätig für das Familienhörbuch.
Und das Schöne ist, dass meine Mutter dann quasi auch noch mit eingestiegen ist, die auch diese
Ausbildung gemacht hat und die arbeitet eben oder, genau, macht die Rolle der Audiobiografin,
also die ist im Team der freien Audiobiograf*innen.
Und habt ihr auch schon mal zusammengearbeitet?
Wir haben schon recht viele Projekte zusammen gemacht, ja.
Das ist ganz schön, also dass sie quasi das Gespräch führt mit den Projektteilnehmenden und
ich im Nachhinein dann die Audio-Postproduktion dann mache des Hörbuchs.
Und für alle, die das Projekt jetzt noch nicht kennen: Was genau ist denn ein Familienhörbuch?
Also das Familienhörbuch richtet sich an lebensverkürzend erkrankte Eltern von minderjährigen Kindern.
Das heißt, also Eltern, die Kinder haben, die unter 18 Jahre alt sind.
Und wenn diese Eltern, also ein Elternteil eben eine Krankheit hat wie, ja, das ist so was wie
Krebs, ALS oder sonstige, eben, ja, wie der Name schon sagt, lebensverkürzenden Krankheiten
und die in Palliativbehandlung sind, also nicht mehr kurativ behandelt werden, dann können die
eben an dem Projekt teilnehmen und ein Hörbuch über ihr eigenes Leben aufnehmen.
Und wenn das aufgenommen ist, dann kommt das Material dann eben zum Beispiel zu mir als Sounddesignerin
und dann kommen da noch die ganzen Musikwünsche rein, die vielleicht der Projektteilnehmende hat und Geräusche.
Und dann wird das in Portionen, in, ja, hörbare Kapitel geschnitten.
Also, genau, dass das dann am Ende vielleicht auch dann eine schöne Überschrift hat, dass es
dann ein Kapitel gibt zur Kindergartenzeit, eins zur Schulzeit und so weiter.
Und am Ende wird das dann mit Download-Link einfach wieder an die Projektteilnehmende eben zurückgeschickt.
Und die Person hat dann noch die Möglichkeit, da drei Joker einzusetzen, wenn sie noch gern Änderungswünsche hätte.
Und ansonsten ist dann unsere Arbeit eigentlich gemacht und ab dann liegt das Hörbuch in den Händen der Projektteilnehmenden, genau.
Was steckt hinter dieser Idee?
Also wenn ich das jetzt richtig verstehe, geht es darum, dass dann die Kinder irgendwann dieses
Hörbuch hören, wenn sie älter sind, oder?
Also wir regen eigentlich auch dazu an, dass man schon in der Jetztzeit, also auch wenn der
Projektteilnehmer oder die Projektteilnehmende noch lebt, also noch gar nicht verstorben ist,
natürlich auch schon mit den Kindern da reinhört, um einfach die Hemmschwelle ein bisschen zu senken.
Das Ganze wird sowieso begleitet von einem Team von Psycholog*innen, also auch die Familien,
aber auch natürlich wir als Freie haben die Möglichkeit, auch zusätzlich auf Gespräche, auf
Begleitung eben auf dieser Ebene.
Und genau, es geht dann einfach drum, dass man die Stimme und die Geschichte aufhebt.
Also dieses, das ist auch mit eins der Themen, dass man eben, die Stimme ist eine der ersten
Sachen, die man quasi vergisst.
Also wenn quasi jemand nicht mehr lebt und das, an was ich mich erinnere, das ist eben sehr
schwierig wiederzuholen, das ist die Stimme.
Und das quasi festzuhalten ist die Idee und eben auch
beim Älterwerden zu begleiten. Das heißt, das Hörbuch sollte oder, ja, stellt eigentlich auch
eine Begleitung dar, die nicht nur an die Kinderzeit gerichtet ist, also natürlich auch, aber auch ans Erwachsenwerden generell.
Ich denke da an so Sachen wie, wenn es sehr junge Kinder sind und die dann vielleicht auch im
Teenageralter mit Sachen strugglen, die irgendwie vielleicht Probleme in der Schule haben oder,
weiß ich nicht, die erste Liebe geht vielleicht zu Bruch oder so was.
Und dann sind es ja vielleicht so Situationen, wo man gerne dann die Mutter oder den Vater vielleicht
einfach auch, ja, so nach einem Rat fragt oder einfach vielleicht auch sich das einfach gut
tut zu hören, ah, dir ging es vielleicht mal ähnlich oder du hattest vielleicht mal eine ähnliche
Situation und wie bist du da rausgekommen?
Und da das eben nicht mehr möglich ist in live, sage ich jetzt mal, wäre das dann oder ist das
eine schöne Sache, dass man dann da in die Kapitel reinhören kann und eben merkt, ach, ja, okay,
gut, das ist meiner Mama zum Beispiel auch passiert und die Welt ist auch nicht untergegangen.
Also dass man da so ein bisschen, dass man da vielleicht auch Fragen beantwortet bekommt, die
man eben im Kinderalter noch gar nicht stellen kann oder will oder, ja, bestimmte Themen einfach noch nicht aufkamen.
Und dass man dadurch dann vielleicht in jedem Lebensalter als Kind oder eben als Jugendlicher,
Heranwachsender noch mal neue Facetten vielleicht auch entdeckt oder neuen Input bekommt.
Was ja dann auch eine enorme Leistung ist für die Eltern, die dieses Hörbuch aufnehmen.
Weil wenn ich mir jetzt überlege, als Mutter bin ich ja praktisch Schritt für Schritt mit meinem
Kind mitgegangen und in die einzelnen Situationen reingewachsen.
Also ich musste jetzt nicht überlegen, welche Fragen könnte, also wenn ich jetzt daran denke,
ich habe ein fünfjähriges Kind, welche Fragen könnte dieses fünfjährige Kind in zehn Jahren haben?
Ist ja auch gar nicht so einfach.
Also es braucht bestimmt eine gute Begleitung. Was erzähle ich da?
Wie offen bin ich auch?
Weil ich mir ja in dem Moment eben gar nicht vorstellen kann, das meinem fünfjährigen Kind zu erzählen.
Ja, genau, das verstehe ich, ist aber grundsätzlich auch so.
Also es gibt da keinen konkreten Leitfaden, wie so ein Gespräch abläuft.
Also in erster Linie bestimmt es ja auch jede Person selbst.
Das merke ich auch selbst immer beim Schneiden der Hörbücher, dass es ganz interessant ist,
dass jede Familie ja auch so ihre Dynamiken hat und man dann schon merkt, in manchen Familien
wird grundsätzlich mehr oder weniger gesprochen.
Das kennt man vielleicht auch im Bekannten- oder Freundeskreis.
Ja, ich glaube, das Wichtige ist eigentlich, nichts zurückzuhalten in dem Sinne.
Es gibt tatsächlich die Möglichkeit, auch auf sogenannte Tresorkapitel, also wie du gerade schon
angesprochen hast, es gibt vielleicht Themen, die du jetzt deinem, jetzt in diesem Beispiel
fünfjährigen Sohn nicht zumuten möchtest oder nicht zutraust oder wie auch immer.
Und dann gibt es eben die Möglichkeit, dass wir das gesondert verschicken und dann ein anderer,
also zum Beispiel der andere Erziehungsberechtigte dann zum Beispiel oder ein, weiß ich nicht,
Oma oder Opa dann dafür zuständig sind, dass dieses Kapitel dann vielleicht zu einem passenderen
Alter erst übergeben, überreicht wird.
Also hatte ich jetzt noch nicht so oft tatsächlich, aber es sind dann oft Sachen wie vielleicht
eine Drogenvergangenheit oder irgendwie, ja, wenn es um, ja, so stärkere Abstürze geht oder
irgendwie, ja, Abgründe, die man vielleicht eben, ja, einem Kind in einem kindlichen Alter noch nicht so zumuten möchte.
Das Ganze ist aber an sich, ergibt sich das meiste witzigerweise einfach von selbst.
Also es geht auch gar nicht so sehr um diese Idee, welche Fragen könnte das Kind später haben,
sondern ich erzähle einfach meine Lebensgeschichte.
Und wenn ich die ehrlich und authentisch erzähle, dann wird das Kind von sich aus bestimmt daraus in Anführungszeichen Antworten ziehen.
Aber es geht jetzt nicht drum, dass ich für jede möglich auftretende Lebensfrage schon eine
Antwort parat habe, sondern eher dieses, was höre ich aus der Geschichte heraus?
Und das hilft mir dann vielleicht als Kind weiter.
Und geht es auch um die Zukunft?
Also zum Beispiel, dass Eltern dann sagen, ich möchte so ein Kapitel machen zum 18. Geburtstag meines Kindes?
Ja, das hatte ich jetzt noch nicht, weil es in erster Linie schon darum geht, das Leben des Elternteils festzuhalten.
Also das ist einfach die grundlegende Idee.
Es gibt schon auch natürlich Vorwort und Nachwort zum Beispiel, die dann etwas offener gefasst sind.
Die werden dann auch erst am letzten Tag aufgenommen.
Also es werden am Anfang, ja, je nach auch Gesundheitszustand, aber ungefähr ein bis zwei Tage aufgenommen.
Und dann eben im Anschluss gibt es dann eben noch, werden die Kapitelüberschriften eingesprochen,
wenn eben alles aufgenommen ist und eben so Vorwort und Nachwort.
Und da zum Beispiel machen schon viele so einen Ausblick oder auch, es gibt meistens bei den
allermeisten Teilnehmenden ein Kapitel, das heißt Diagnose oder meine Diagnose oder so was.
Also da geht es dann um die Krankheit selbst.
Und da behandeln natürlich schon viele dieses, ja, im restlichen Hörbuch unausgesprochene Thema,
dieses, was ist, wenn ich mal nicht mehr da bin.
Und da geht es aber eher drum, die Kinder vielleicht zu bestärken, einfach ihren Weg zu gehen.
Und was auch sehr wichtig ist, was auch für uns sehr wichtig ist, ist, dass wir keine Aufträge
oder dass die Teilnehmenden keine Aufträge an die Kinder weitergeben.
Also dass eben das nicht als die Mutter oder der Vater, der Verstorbene, sitzt auf der Wolke
und guckt auf mich runter und kontrolliert das alles.
Das soll das Hörbuch natürlich nicht sein.
Also das ist ganz arg wichtig.
Wir, also sowohl die Audiobiograf*innen als auch die Sounddesigner*innen, gucken noch mal oder
hören ganz speziell einfach mit diesem Kinderohr auf das Hörbuch.
Also einfach noch mal, ja, überprüfen, steckt da nicht irgendein versteckter Auftrag hinten
dran, so was wie, ich möchte, dass du Kinder kriegst, ich möchte, dass du heiratest, ich möchte,
dass du das so und so und so machst.
Also die Kinder werden angesprochen, aber eher in einem liebevollen Erinnerungsmoment vielleicht
und weniger in so einem, in einer geplanten Zukunft.
Also das findet eigentlich nicht statt und das ist auch nicht die Idee des Hörbuchs, sondern, genau.
Ja, ich könnte mir vorstellen, dass es ja auch eine doppelte Wirkung hat.
Zum einen natürlich eine Erinnerung für die Kinder, zum anderen aber ja auch eine Aufarbeitung
der Erwachsenen selber, was ich mir auch gar nicht so einfach vorstelle, wenn ich jetzt wüsste,
ich habe nicht mehr lang zu leben, noch mal in mein Leben zu gucken und, ja, da gäbe es ganz
viele ganz schöne Sachen, aber vielleicht ja auch Dinge, die nicht so schön sind.
Ja, und da auch noch mal aktiv reinzugehen, wie erlebst du das?
Das beschreiben auch sehr viele im Aufnahmeprozess, also das höre ich tatsächlich auch oft beim
Schneiden der Hörbücher, dass es einfach irgendwie anstrengend auch ist, aber in wirklich allen Fällen bisher positiv.
Also dadurch, dass das Ganze ja auch eben psychologisch begleitet ist, eben auch ja zusätzlich
noch mit der Frage, darauf können wir gern später noch mal kommen, eben ob das jetzt im Trauerprozess hilft oder nicht.
Also das ist so ein bisschen, was dann auch noch dazukommt, geht es eben auch darum, dass ganz
viele eben berichten, dass es sich für sie so dann so vollständig anfühlt.
Also dass, jetzt haben sie das aufgenommen, jetzt ist es safe, jetzt geht das nicht mehr verloren.
Und dann kann man vielleicht noch mal den Rest des Lebens noch mal anders genießen, weil auch
vielleicht noch was abgehakt ist.
Also so wie es vielleicht auch manchen Personen, die eine Diagnose haben, die eben, ja, mit
einem bevorstehenden Tod dann endet, die dann vielleicht auch gerne aktiv mitplanen, die Beerdigung oder so was.
Also da habe ich das Gefühl, das spielt in so eine ähnliche Richtung, dass es eben vielleicht
ein Stück weit Kontrolle auch zurückgibt.
Also was, was ich noch tun kann.
Das ist ja auch ganz oft das Problem.
In einer Palliativsituation kann man oft einfach nicht so viel tun.
Also man ist dann vielleicht sowohl gesundheitlich schon sehr eingeschränkt, aber dazu eben
auch, es sind dann irgendwie alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft.
Ja, und das ist dann eben so ein bisschen vielleicht der Punkt, wo man dann sagt, nee, das habe
ich noch mal in der Hand, da überlege ich mir was, da werde ich aktiv, da suche ich alte Fotos raus und so weiter.
Deswegen empfinde ich das jetzt eigentlich nicht so, dass die Teilnehmenden da, ja, irgendwie,
dass da arg viele negative Gefühle mitschwingen.
Und es wird natürlich auch mal geweint.
Es gibt auch eben blöde Kapitel in der Vergangenheit.
Also das macht das Leben ja auch aus.
Also das gehört ja auch dazu.
Und ich glaube, das ist es ja letztendlich auch, einfach so ein realistischer Querschnitt des Lebens.
Und da sind halt Hochpunkte und Tiefpunkte dabei.
Und es entscheidet auch jede Teilnehmende, jeder Teilnehmer ja auch selbst, wie tief er oder sie da reingehen möchte.
Also das wird ja auch niemand gezwungen, irgendwelche Dinge, ja, auszugraben, die er, sie nicht möchte.
Aber grundsätzlich merkt man schon, dass es den Menschen eigentlich eher gut tut, dann, ja,
sich dem einfach noch mal so gegenüberzustellen letztendlich und es einfach noch mal so Revue passieren zu lassen.
Vielleicht auch ja jetzt mit einer milderen oder mit einer erwachseneren Sicht auf die Dinge.
Also das ist ja oft auch hilfreich, ja.
Ja, ja. Und kannst du sagen, ja, so oder grob sagen, wie so der Ablauf wäre, wenn sich jetzt
jemand bei euch meldet und sagt, ich habe den Wunsch, das zu machen?
Und auch, wie das so ist, ja, also du hast schon gesagt, ihr nehmt zwei Tage auf.
Das sind ja auch enorme Kosten.
Genau, also das Familienhörbuch finanziert sich über Spenden.
Das ist tatsächlich auch zurzeit eines unserer größten Probleme.
Also wir haben gerade einige Teilnehmende, die quasi schon aufgenommen wurden ins Projekt, bei
denen aber die Aufnahme einfach nicht starten kann, weil es keine Spendengelder gibt.
Also solche Situationen gibt es bei uns.
Wir sind aktuell wieder in so einem Kohortensystem.
Das heißt, immer wenn Spendengelder für fünf Hörbücher, aktuell sind das, wieder da sind, dann
wird wieder aufgemacht quasi und dann werden diese fünf Hörbücher realisiert.
Das ist natürlich, muss man ganz ehrlich sagen, auch wahnsinnig schlimm für die Betroffenen
teilweise, weil die einfach gar nicht die Zeit haben.
Aber dadurch, dass es eben spendenfinanziert ist und man rechnet circa mit, ich glaube, es sind
6.000 Euro circa pro Hörbuch.
Das klingt erst mal viel, aber wenn man das auf die ganzen Stunden und Beteiligten runterrechnet,
kommt man dann auch recht günstig weg.
Und da gehört eben einfach viel dazu.
Also das heißt genau, man bewirbt sich beim Familienhörbuch, füllt da einen Fragebogen, Aufnahmebogen
aus und dann gibt es ein Gespräch mit den Projektkoordinatorinnen aus dem Projekt.
Und genau, dann wird einfach geschaut, passt das alles?
Weil, wie gesagt, um da teilnehmen zu können, muss man eben, ja, einen gewissen Punkt jetzt
in der Krankheit vielleicht auch schon erreicht haben.
Also eben, dass die Diagnose eben wirklich dieses, das erfüllt mit dem lebensverkürzend erkrankt.
Und wenn alles soweit stimmt und dann auch die Gelder da sind, dann wird eben ein Termin ausgemacht
mit dem Audiobiografen oder der Audiobiografin.
Und wir haben über ganz Deutschland verteilt Leute.
Das heißt, die ganzen freien Mitarbeitenden sind halt über Deutschland verteilt.
Im besten Fall findet man dann jemanden, der dann in der Nähe ist oder vielleicht sogar in der gleichen Stadt.
Und dann können die Projektteilnehmenden auch überlegen, ob sie das bei sich daheim machen wollen.
Viele machen das dann zum Beispiel, wenn die Kinder in der Schule sind oder wenn, weiß ich nicht,
vielleicht das andere Elternteil mit den Kindern wegfährt oder so was.
Aber es gibt auch viele, die sagen, nee, ich buche mir da vielleicht eine Ferienwohnung für
die paar Tage und dann macht man das da ganz entspannt.
Und es gibt bei manchen Audiobiograf*innen eben auch die Möglichkeit, dort aufzunehmen.
Auch ich biete hier in München zum Beispiel ab zukünftig, also wenn das hier alles eingerichtet
ist, an, dass man dann zum Beispiel auch hier aufnehmen könnte.
Also da gibt es mehrere Möglichkeiten, diesen Aufnahmeprozess zu gestalten.
Und wenn das alles aufgenommen ist, dann kommt das eben zu uns, also zu den Sounddesigner*innen,
die eben frei für das Projekt arbeiten.
Und dann wird das geschnitten und, ja, gibt dann eben noch Rücksprachen, wie die vorhin schon erwähnte Musikwunschliste.
Das heißt, ganz viele Teilnehmende haben natürlich auch durch die Jahre hinweg, vielleicht verbinden
mit der Kindheit ein paar Lieder, das kennt ja jeder auch, oder mit der Familie.
Man hat vielleicht so in der Familie so ein paar Songs, die immer laufen oder so.
Und das sind alles solche Dinge, die natürlich dann damit einfließen, um es auch noch persönlicher zu gestalten.
Weil, wenn ich jetzt als Außenstehende da eine Musik aussuche, das kann ich natürlich machen.
Das ist ja auch meine Expertise zu einem gewissen Punkt, also da jetzt passende Musik zu wählen.
Aber es ist natürlich dann nicht so persönlich wie, ja, Musik, die vielleicht von den Teilnehmenden selbst kommt.
Und du hast auch gesagt, Geräusche.
Also das heißt, du vertonst auch die einzelnen Kapitel?
Genau, also da, wo es reinpasst, finde ich es immer ganz schön, gerade eben, wie du es vorhin
schon angesprochen hast, es soll ja auch für Kinder auch schon zugänglich sein.
Finde ich es immer ganz schön, wenn man bestimmte Situationen, die vielleicht auch sehr bildhaft
beschrieben werden, wie das sind oft dann so was wie Urlaube oder was ich jetzt schon mal hatte,
war, dass jemand irgendwie, ich weiß gar nicht, was das war, ich glaube, der Opa hatte ein ganz besonderes Auto.
Und dann habe ich das halt in meiner Soundlibrary rausgesucht und mit reingelegt, weil ich es
eben ganz nett fand, wie wenn man halt ein Foto beilegt, nur halt eben auf Audioebene, dass
man noch mal so ein bisschen unterstützt, das, was der Teilnehmende oder die Teilnehmende eh schon erzählt.
Was wir oft drin haben, sind so Zeitdokumente, könnte man es nennen.
Also, ja, viele Teilnehmende sind so in dem Alter, dass sie vielleicht den Mauerfall noch mitgekriegt
haben oder erzählen zum Beispiel von ihren Großeltern, vom Krieg oder so was.
Also es gibt oft dann so historische Momente.
Jetzt auch natürlich viel aktueller haben wir ganz oft oder habe ich ganz oft so Ausschnitte
aus der Tagesschau oder so was von der Coronazeit drin, weil das auch so Sachen sind, die man
sich ja auch dann vielleicht gar nicht mehr vorstellen kann, wenn man dann, wenn man in der
Zeit als Kind ein paar Monate alt war, dass man da dann einfach so ein Zeitdokument mit drin
hat, wie eben die ersten Nachrichten zu bestimmten historischen Themen zum Beispiel. Genau.
Also das sind so Sachen, die mit reinkommen.
Ich weiß nicht, ansonsten halt, ja, was man sich so vorstellt, Meeresrauschen bei einem Familienurlaub oder so was.
Also das ist einfach ganz nett.
Und was es auch noch gibt, das nehmen viele Eltern wahr, nicht alle, aber viele Teilnehmende
lesen ein Kinderbuch ein, also dass die quasi das aktuelle Lieblingsbuch einlesen der Kinder
oder dass sie mit den Kindern zusammen lesen.
Und das sind ja oft recht kurze Geschichten, die aber halt natürlich kindgerecht geschrieben sind.
Und die bieten wirklich in, bisher bei mir zumindest, 100 Prozent der Fälle eine ganz, ganz
tolle Basis, um dann noch Geräusche dazu zu machen.
Also das ist ja kein Hörspiel, aber es ist ja dann einfach eine Unterstützung, einfach so ein
bisschen für die, ja, für die Seele.
Einfach, dass man so ein bisschen, man hört dann, also ich hatte jetzt gerade eins, ging es
um eine kleine Hasenfamilie und dann wohnt die im Wald.
Und das kann man ja alles vertonen.
Das ist jetzt auch gar nicht so weit hergeholt, sondern einfach, ich glaube, ich eine nette
Szenerie oder ein nettes Setting, was dann vielleicht das Kapitel auch noch mal so ein bisschen,
sticht dann vielleicht so ein bisschen heraus und ist ja dann vielleicht auch was, was man gerne
hört, wenn man sich vielleicht mit anderen Themen gerade nicht beschäftigen möchte.
Das gehört ja auch dazu.
Man muss das Hörbuch ja auch nicht von vorne bis hinten hören, sondern dann kann man sich ja auch einzelne Kapitel raussuchen.
Das ist ja auch der Sinn der Aufteilung in Kapitel.
Und dann ist so ein nettes, ein bisschen, ja, künstlerisch gestalteteres oder ein bisschen verspielteres
Kapitel, ja, manchmal vielleicht auch von der Stimmung her passender als jetzt das Kapitel "Meine Diagnose" zum Beispiel.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass es ein bisschen Leichtigkeit reinbringt.
Noch mal, also wenn das so ein plastischer ist, ja, wenn Vertonung da ist.
Ja, total. Vielleicht auch, weil man es ja auch aus anderen Medien so kennt.
Also eben, weil es dann so eine gewisse Vertrautheit hat eben auch, ja, wie du sagst, so, ja,
es bespielt halt das Ohr dann noch mal so ein bisschen anders.
Wobei ich auch sagen muss, dass das Familienhörbuch an sich jetzt keine grundlegende Schwere hat.
Also wirklich, wir, man denkt es von außen oft, ich verstehe es auch, weil das Thema bei uns
einfach auch, ja, im wahrsten Sinne des Wortes totgeschwiegen wird, so ein bisschen in unserer vielleicht auch westlichen Kultur.
Das Thema Tod und Trauer geht ja so ein bisschen verloren, würde ich sagen, im öffentlichen Diskurs.
Oder ich weiß gar nicht, wie man sagt.
Aber grundsätzlich sind diese Hörbücher wirklich lebensbejahende und fröhliche Sachen.
Also das sind wirklich in den, ja, wie ich vorhin gesagt habe, es gibt halt dieses eine Kapitel
vielleicht, was dann so eine Ernsthaftigkeit oder eine Schwere reinbringt.
Aber in den allermeisten Fällen wird super viel gelacht und es kommen lustige Anekdoten hoch und so.
Also das ist eh, also das schon mal grundsätzlich ist, dass jetzt nicht unbedingt ein durchweg
ernstes Hörbuch, sondern eben meistens eher sehr lustig und fröhlich.
Und wie lang ist dann so ein Hörbuch ungefähr?
Das ist tatsächlich sehr, sehr unterschiedlich.
Ich würde sagen, also ich hatte schon welche, also es gab natürlich auch schon so dramatische
Fälle, die dann nach dem ersten Aufnahmetag schon verstorben sind.
Da kommt dann vielleicht auch nur mit vielen Pausen, weil die Person vielleicht schon sehr schwach
ist, kommen dann vielleicht nur eine Stunde zusammen oder eine halbe.
Ich hatte aber auch Hörbücher, die waren irgendwie an die sieben Stunden lang oder so was.
Also das ist wirklich sehr unterschiedlich.
Und ich würde auch witzigerweise sagen, dass viele Leute, die so viel zu erzählen haben, oft auch gut erzählen können.
Und dann ist die Arbeit dann vielleicht gar nicht so lang im Schneiden oder zumindest dann verlagern
sich die Bearbeitungszeiten so ein bisschen auf andere Bereiche.
Ich habe so das Gefühl, ein längeres Hörbuch hat oft, ja, dann so einen Flow, bei dem ich dann
auch schneller bin, anders als bei vielleicht Personen, die sich sehr schwer tun mit dem Erzählen
und viele Sachen neu ansetzen müssen und so.
Und dann bin ich vielleicht da länger mit dem Schneiden beschäftigt, obwohl faktisch weniger aufgenommen wurde.
Also ich finde, das hält sich oft einfach auch die Waage, dass man so ein bisschen merkt, das
ist sehr abhängig von der Person, die aufnimmt, wie lang das Hörbuch wird eben.
Und wenn das Hörbuch dann fertig ist und ihr es abgegeben habt, habt ihr dann noch mal Kontakt zu den Familien?
Kriegt ihr Rückmeldungen auch, also vielleicht sogar von den Kindern, die es dann hören?
Also so direkt gibt es eigentlich keinen persönlichen Kontakt.
Also auch ich zum Beispiel als Sounddesignerin habe in den allermeisten Fällen keinen Kontakt
zu den Projektteilnehmenden, weil die Kommunikation dann meistens über die Audiobiografen oder den Audiobiografen läuft.
Dass dann da schon viel entschieden wurde mit, wie ich schon erwähnt habe, der Musikliste und so weiter.
Aber ich kriege natürlich dann die Rückmeldung, wenn noch so ein auch angesprochener Änderungswunsch eben ist.
Das heißt, da lese ich dann natürlich schon auch, dass die Person schreibt: "Oh, super, cool,
hab reingehört, ist ja Wahnsinn, was daraus geworden ist.
Könnte ich vielleicht bei Kapitel 4 doch noch mal ein anderes Lied haben?" oder so was.
Also dann meistens solche Wünsche.
Und ich kriege natürlich auch mit, wenn eine Projektteilnehmende oder ein Projektteilnehmende verstirbt.
Da kriegen wir dann schon Bescheid.
Aber wie gesagt, sonst ist die Rückmeldung nicht so direkt.
Also nicht, dass ich jetzt direkt mitkriege, was die Kinder davon halten.
Aber die Familien, die daran teilnehmen, also die Teilnehmenden selbst, sind eben dann auch weiterhin betreut.
Das heißt, es wird dann schon noch mal abgefragt.
Das, was ich vorhin schon gesagt hatte oder erwähnt hatte, ist ja auch für uns interessant oder
generell interessant, ob so ein Hörbuch überhaupt sich nur positiv auswirkt auf die, ja, vielleicht
Trauerarbeit, weil das natürlich auch die Stimme geben könnte, die sagt, vielleicht hindert das am Loslassen.
Also die Person ist halt dann nicht mehr da, auch wenn die in einem dramatisch jungen Alter verstorben ist.
Da ist halt dann so ein bisschen die Frage, ist es dann vielleicht hinderlich, das so zu akzeptieren,
wenn ich die Stimme immer so präsent habe oder das Thema immer so präsent habe.
Und da ist es halt schön, dass eben die schon genannten Psycholog*innen eben die Familien dann
auch über den Tod zum Beispiel dann hinaus noch betreuen.
Und da eben dann, also die bekommen natürlich dann, das wird alles dokumentiert mit Rückmeldungen,
mit Rückfragen, wie die Erfahrungswerte sind.
Genau, es gibt auch ein paar Dokumentationen, die man sich online anschauen kann, also die über das Familienhörbuch gedreht wurden.
Das sind oft dann so Kurzreportagen.
Und da werden teilweise zum Beispiel auch Familien interviewt, wo dann das eine Elternteil schon
verstorben ist, also der Projektteilnehmer oder die Projektteilnehmende schon verstorben ist.
Und das ist eben super spannend, dann eben zu sehen, finde ich auch, wie die Kinder dann auch
darüber sprechen, wie sie das anhören und wie sie das in ihren Alltag integrieren.
Es gibt ja dann auch die Möglichkeit, das als, also ich bin jetzt ja noch mit Kassetten oder
CDs aufgewachsen, aber es gibt ja auch die Möglichkeit, heute das auf so Tonies zu spielen.
Es gibt diese Kreativ-Tonies, die quasi frei bespielbar sind.
Oder jetzt für die Jugendlichen, vielleicht einfach mit aufs Handy zu ziehen.
Deswegen gibt es ja von uns auch einfach nur diese Übergabe in digitaler Form.
Und die Familie selbst kümmert sich dann eben sowohl um die, ja, Speicherung, also dass das
quasi gesichert wird und vielleicht auch über mehr als nur eine Generation gesichert wird.
Und eben auch, wo die Kinder das dann hören können. Genau.
Ja, und ich denke, heute hat man ja viele Möglichkeiten, irgendwas aufzunehmen oder hat Aufnahmen.
Also wenn ich an so was wie Sprachnachrichten denke, früher hat man Nachrichten, die noch auf
dem Anrufbeantworter waren, irgendwo gespeichert.
Der Wunsch ist ja da, Erinnerungen zu haben.
Und ich glaube, dass es möglich ist, das auch negativ zu nutzen, aber dass das der kleinere Teil ist.
Und erst recht, wenn es begleitet ist.
Total. Also so geht es mir auch.
Ich habe auch das Gefühl, ich finde es trotzdem einfach sehr gut und sehr wichtig, dass das
so professionell betreut ist, weil ich das eben, oder ja, weil man vielleicht bei Beginn des
Projektes auch nicht einfach so dahinstellen möchte.
Das ist auf jeden Fall super in der Trauerarbeit und ist ja auch super individuell.
Es gibt bestimmt Personen, denen das leichter fällt, anders Abschied zu nehmen, indem sie dann
gar keinen Kontakt mehr haben, in Anführungszeichen.
Also eben auch nicht diese Stimmerinnerung.
Auf der anderen Seite ist so eine Aufnahme ja auch so oder so auch so ein Zeitdokument auch wieder eigentlich.
Also wenn man das jetzt mal loslöst von dem Thema, die Person ist schwerstkrank, ist es ja vielleicht
auch in zwei Generationen auch für weitere Nachkommen total spannend, was wir 2000, weiß ich
jetzt nicht, 25 gemacht haben.
Also wenn ich mir überlege, dass es die Möglichkeit gegeben hätte, bei meiner Uroma oder noch
eins früher Sachen aufzunehmen, unabhängig davon, wie die verstorben sind oder in, genau, in
was für einer Situation das Hörbuch dann zum Beispiel aufgenommen worden wäre, wäre es ja total
spannend zu wissen, wie war deren Lebensalltag damals und zwar wirklich so aus erster Hand und
nicht gestellt und nicht irgendwie zusammengefasst, sondern wirklich so, ja, von der Person selbst formuliert.
Und das ist natürlich auch so oder so eine schöne Sache, dass man das unabhängig von dem, ja,
schweren Thema Tod, ja, trotzdem auch einfach so betrachten kann.
Dass es einfach ein tolles Dokument aus der Zeit ist.
Ja, eigentlich im Grunde wie Fotos, nur eben übers Ohr.
Ja, und Fotos gucken wir uns ja auch an und wissen, das ist jetzt ein Foto, das ist Vergangenheit.
Und ja, gerade ist ja, was das angeht, auch viel im Wandel.
Also dass ich mich jetzt als Trauerbegleiterin auch mit Sachen wie, ich kann mir meinen Avatar
erstellen und mit dem dann weiterreden und das ist dann nicht mehr Vergangenheit.
Ja, also da sind wir auf einer ganz anderen Ebene.
Und deswegen kann ich mit so einem Familienhörbuch sehr gut auch in Bezug auf Trauer und Trauerarbeit,
weil das für mich eine ganz andere Ebene ist.
Ja, das stimmt, ja.
Wie ist denn diese Arbeit für dich persönlich?
Also du machst ja vermutlich ansonsten, ja, ganz andere Sachen.
Ja, das stimmt. Also in meinem Hauptberufsalltag, also wenn ich gerade nicht fürs Familienhörbuch
Hörbücher schneide, vertone ich ja Filme und Werbung und so Sachen, mache dafür Geräusche.
Und das ist auch ein sehr erfüllender Job.
Ich muss aber sagen, dass ich das sehr genieße, dass ich eben auch für das Familienhörbuch Projekte
machen kann, weil das so eine gewisse Sinnhaftigkeit mitbringt, die mir auch davor oft gefehlt
hat oder, ja, die die Branche vielleicht nicht immer mitbringt.
Ich glaube, so geht es ja ganz vielen Berufstätigen.
Also das ist jetzt nicht konkret auf die Filmbranche zu beziehen, sondern viele Berufe haben
vielleicht nicht so einen direkten Outcome, den man so spürt.
Also ich weiß schon, dass ich natürlich auch Filme vertone, die vielleicht einen gesellschaftlichen
Mehrwert haben oder ein Thema behandeln, was vielleicht meiner Meinung nach ansonsten zu kurz kommt.
Also die es auf jeden Fall verdienen, gesehen und gehört zu werden.
Hier bei dem Projekt habe ich halt das Wissen, dass ich direkt einer Familie, Helfe ist ein
komisches Wort, aber dass ich doch mithelfe, irgendwie ein Geschenk irgendwie zu hinterlassen
für die Kinder, was auch eine Wertigkeit hat.
Also auch wirklich in vielleicht einer schweren Lebenssituation ein bisschen Leichtigkeit reinbringen kann.
Und wenn ich das im, ja, so erzähle, wenn ich neue Leute kennenlerne oder so was, dann kommt
das Projekt manchmal zur Sprache und dann ist die Reaktion eigentlich immer: "Oh, das ist bestimmt
total schwierig oder total schwer und das könnte ich nicht." Und so.
Und da geht es mir irgendwie gar nicht so.
Also ich kann das halt total trennen, dass ich weiß, natürlich ist es an sich ein schweres Thema,
aber das hatte ich vorhin auch schon einmal kurz gesagt, das finde ich eh so ein bisschen das
Problem an unserer Gesellschaft, dass wir alle das immer so wegignorieren.
Und es gibt ja wirklich keine einzige Person, die nicht sterben muss.
Also das ist ja mit eine der einzigen Sachen, die uns alle vereint.
Also es gibt wenig Sachen, die wir so sehr gemeinsam haben, wie geboren werden und sterben.
Und sich dem so ein bisschen bewusst zu werden und da auch so eine, ja, so einen eigenen Umgang
vielleicht auch zu finden, auch vielleicht durch die Arbeit, das hat mir einfach sehr geholfen.
Also ich habe jetzt auch im, ja, Familienkreis bisher zum Glück nur meine Oma und Opa verloren,
aber dafür im Freundeskreis gerade zwei junge Menschen eben an Krebs verloren.
Und es ist jetzt schon aus dem engeren Freundeskreis, wo ich so merke, die fehlen ja dann einfach so richtig.
Also das ist jetzt nicht nur mehr so in den Nachrichten gelesen, sondern das ist so richtig erfahrbar irgendwie.
Und da finde ich es irgendwie einfach, ja, das zeigt sich dann halt so, dass das einfach nicht
aufzuhalten ist und dass es da auch irgendwie schön ist zu wissen, wie besonders und wie wichtig
das Leben ist und das auch im Jetzt zu leben.
Das hat mir einfach wirklich sehr geholfen, da auch diese Ausbildung zum Thema eben Sterben
und so weiter zu machen, dass ich einfach das Gefühl habe, ich habe einen guten Umgang für mich
damit gefunden und einen, der mir auch gut tut, also gar nicht belastet.
Ich habe nicht das Gefühl, dass das Familienhörbuch eine belastende Arbeit ist, weil ich mich
hin und wieder mit dem Thema Tod beschäftige, sondern eher ein sehr lebensbejahendes Verarbeiten ist irgendwie.
Und da laufen auf jeden Fall mal die Tränen.
Also ich hatte noch kein Hörbuch, wo ich nicht geweint habe.
Also einfach sitze ich dann vor dem Bildschirm und weine halt mit.
Ich bin auch sehr empathisch als Mensch.
Und wenn dann eine Teilnehmende oder ein Teilnehmende da vielleicht weinen muss, das passiert
oft in den etwas schwereren Kapiteln, ja, dann laufen da halt Tränen mit.
Aber das ist ja auch super menschlich.
Also das ist ja auch, das zeigt ja auch eben dieses Mitgefühl.
Und man darf ja auch mitfühlen.
Man sollte vielleicht nicht mitleiden.
Also das ist dann, das ist ja auch das eben, warum wir dann auch die Möglichkeit haben, dieses
Angebot mit den Psycholog*innen anzunehmen.
Das hatte ich schon auch, dass ich schon mal ein Hörbuch hatte, was mir sehr schwer gefallen ist.
Gar nicht, weil es Themen irgendwie hervorgeholt hat, die ich bei mir in der Vergangenheit habe,
sondern eher, weil ich bestimmte Familiendynamiken sehr anstrengend fand zu hören.
Also ich einfach so gemerkt habe, oh, da liegt in meinen Ohren so ein bisschen was im Argen.
Aber auch das gibt es ja, das gehört auch zum Leben dazu.
Und da dann noch mal so drüber zu sprechen, wie grenzt man sich davon gut ab, wie finde ich
einen guten Abschluss mit dem Projekt, das hilft natürlich dann total, dass man so was auch in Anspruch nehmen kann.
Und dann setzt sich das auch nicht fest, sondern es ist einfach dann verarbeitet.
Und das tut auch richtig gut.
Also ich mag die Arbeit richtig gerne.
Und hat sich dein Blick so auf Sterben und Tod verändert in der Auseinandersetzung?
Ja, also vor allem, ja, das so anzunehmen.
Also ich hatte jetzt gerade zum Beispiel, ist jetzt sehr persönlich, aber mit dem Tod meiner
Oma sehr zu kämpfen oder habe ich auch immer noch.
Also das ist nach wie vor ein sehr schwieriges Thema für mich, obwohl die schon 2010 gestorben ist.
Und ich habe aber das Gefühl, dass solche Themen wie das Familienhörbuch das dann schon noch
mal greifbarer machen für mich, dass es eben was Natürliches ist.
Also dass das eben dazugehört zum Leben.
Und das macht ja das Leben auch so wertig, dass es eine Endlichkeit hat.
Also das ist ja auch, wie komisch wäre das, wenn wir alle für immer leben würden. Das geht ja nicht.
Also das ist ja irgendwie auch diese Endlichkeit, mit der man sich dann auch auseinandersetzen muss.
Und das machen wir ja schon seit Jahrhunderten, Jahrzehnten.
Also die Menschheit setzt sich ja schon immer mit diesem Thema irgendwie in der Kunst oder im Privaten auseinander.
Und so geht es mir schon auch, dass ich dadurch, dass ich da bewusster rein oder rangegangen
bin oder, ja, dass sich dann natürlich auch meine Einstellung so ein bisschen geändert hat.
Also jetzt gar nicht im Sinne von, dass ich das jetzt einfacher finde, die Nachricht zu bekommen,
jetzt zum Beispiel, dass eben einer meiner Freunde gestorben ist, aber dass man einfach so eine
Akzeptanz dann vielleicht findet oder eben ein bisschen mehr schafft, den Blick auf das Leben
zu richten und eben nicht nur auf den Tod, also das Sterben selbst, sondern auch zu wissen,
ja, aber all die Jahre davor hat er ja schön gelebt.
Also dass man auch das in der Trauer nicht verliert.
Ich habe ja in der letzten Folge mit Andreas gesprochen, den du ja auch kennst.
Das ist meistens nicht der Fall, dass meine Gesprächspartner*innen sich untereinander kennen.
Und er hat eine Frage für dich, die, glaube ich, jetzt ganz gut passt, nämlich: "Moin Johanna,
wir haben uns ja schon oft unterhalten über alle möglichen Fragen über Gott und die Welt sozusagen,
dadurch, dass du bei uns als Foley-Artistin viele Filme schon vertont hast.
Meine Frage an dich, die ich nämlich in all diesen Gesprächen nie gestellt habe, ist: An wen
soll man sich erinnern, wenn sehr viel später mal über Johanna Roth gesprochen wird?"
Ah, das ist eine spannende Frage.
Fand ich auch.
Ja. Das ist lustig. Wir haben tatsächlich im Rahmen der Ausbildung, also beim Familienhörbuch
eben zur Audiografin oder Sounddesignerin, selber Nachwort verfassen müssen für ein imaginäres eigenes Hörbuch.
Und da habe ich, glaube ich, auch so was gesagt wie, dass mir das Wichtigste ist, dass man irgendwie
so als Menschheit oder auch als Mensch, also auch ich als Johanna, auch für andere da ist.
Also dieses sich nicht so voneinander zu entfernen, sondern so diese Gemeinschaftlichkeit zu leben.
Ich weiß gar nicht, ob ich möchte, dass man von mir dann so Taten hört.
Ich weiß nicht, ich glaube, es geht mehr um den Charakter, an dem man sich erinnert.
Also ich möchte vielleicht, dass man sich, also ich habe das Gefühl, an meinen sehr fröhlichen und lustigen Charakter erinnert.
Und was ich am allerschönsten finde, an schönen Anekdoten.
Also das ist auch das, was ich an den Familienhörbüchern so schön finde, dass es gar nicht die großen Momente sind.
Also das, was bleibt, sind oft so ganz kleine, lustige, familieninterne Anekdoten, die man sich
dann noch immer weitererzählt und immer weitererzählt, wie ich sie ja auch von meinen Eltern kenne zum Beispiel.
Also ich glaube, das wäre mir viel wichtiger, dass man einfach die gute Zeit mit mir in Erinnerung behält.
Und ja, doch, das fände ich schöner.
Also als jetzt irgendwelche großen Taten oder so was, sondern eher die positiven wie auch vielleicht
schweren Momente, durch die man gemeinsam gegangen ist.
Ja. Und irgendwie ist das ja sogar rund zum Familienhörbuch.
Ja. Das ist vielleicht auch das Learning daraus, dass es die Momente sind, die es vielleicht
mehr ausmachen als, ja, so Sachen wie diese Riesenkapitel Hochzeit oder so was.
Die gibt es natürlich auch und die sind für viele Leute auch sehr wichtig.
Aber ich muss oft viel mehr schmunzeln oder fühle oft selber auch viel mehr Verbundenheit bei
diesen Hörbüchern, die die Eltern dann ausstrahlen, eben ihren Kindern gegenüber bei diesen
kleinen Momenten, wo man so über einen lustigen Tag, das sind ja nur manchmal fünf Minuten in
einem Leben, was ganz, ganz viele Jahre lang geht, aber dass das witzigerweise einen sehr viel größeren Erinnerungswert hat.
Irgendwie das finde ich ganz schön, ja.
Die unbesonderen, besonderen Momente, ja.
In der nächsten Folge spreche ich mit Martina Vogt über ihr Buch "Das blaue Bild".
Und du hast jetzt die Chance, ihr eine Frage zu stellen.
Also auch mit Hinblick eben auf die ganzen Erinnerungen, die wir ja durchs Familienhörbuch festhalten
dürfen, würde mich interessieren, was so eine Erinnerung ist, die auch nach all den Jahren noch
ganz, ganz deutlich da ist.
Ein Moment oder eine schöne Situation mit ihrer Tochter.
Das gebe ich weiter.
Super.
Vielen Dank, Johanna, für das Gespräch und das Vorstellen von dem Familienhörbuch.
Gerne. Danke dir.
Und ja, wenn euch die Folge berührt hat, dann leitet sie gerne weiter und folgt mir auf euren bevorzugten Kanälen.